Solarwärme im Gespräch mit Roland Düringer

© Roland Düringer, Foto: Jeff Mangione

In der Reihe unserer Interviews zur aktuellen Lage und Zukunft von Solarwärme setzen wir mit dem österreichischen Kabarettisten, Schauspieler, Querdenker und Solaranlagenbesitzer Roland Düringer fort. Die bisherigen Interviewpartner  waren: Wr. Stadtverwaltung (Bernd Vogl), Solarindustrie (Robert Kanduth), Forschung (Werner Weiss), Bundespolitik (Reinhold Mitterlehner), FEM-Tech Expertin des Monats (Sabine Putz) und Großanlagenbau (Christian Holter). 

Herr Düringer, Sie haben sich eine thermische Solaranlage aufs Dach gelegt. Warum nicht Photovoltaik, die ja in aller Munde ist?

Weil es was anderes ist. Das eine macht Wärme, das andere macht Strom. Das ist, wie wenn Sie Fragen: warum haben Sie ein Auto und kein Motorrad. Ich hab ja auch eine Photovoltaik-Anlage.

Die war zuerst da?

Nein, die Photovoltaik-Anlage hab ich jetzt erst auf meinem neuen Haus. Da hab ich 28 Quadratmeter, mach mir meine Energie selber und bin autark.

Warum vorher die Solarthermie?

Ich hab damals ein großes Haus gebaut, mit allem Schnick-Schnack, einer Pelletsheizung, großen Glasflächen und eben der Solarwärmeanlage. Dass Sonnenenergie die einzige Energie ist, die es gibt, war mir sowieso immer klar. Nur hab ich viel zu groß gebaut, wie viele Menschen, wir haben viel zu viel Raum gehabt, den man dann mit Energie versorgen muss, und mit Industriegerümpel vollfüllt. Dadurch wird Wohnen sehr teuer, man könnte aber billiger wohnen.

Sie sind ja bekannt – ist Ihre Solaranlage für Sie ein Statussymbol? Ist sie cool?

Nein, ich hab das eigentlich damals nicht so gesehen. Ich hab mir eine Pelletsheizung zugelegt, weil ich kein Öl verbrennen wollte und gut dazu passt die Sonnenenergie, die sowieso da ist. Ich war verblüfft, wie gut das funktioniert, dass man auch im Winter bei Minusgraden trotzdem Wärme ins Haus bekommt, wenn die Sonne scheint. Das ist schon toll. Die Energie ist da und geht in meinen Pufferspeicher. Ich find das nicht besonders cool oder lässig, weil so was mir vollkommen egal ist und ich es damals einfach als sinnvoll und nützlich empfunden hab um Geld zu sparen.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, sich eine Solaranlage installieren zu lassen? Wer hat Sie auf die Idee gebracht?

Der, der mir die Anlage damals installiert hat, ein Installateur aus der Ortschaft. Der hat mir den Pelletskessel aufgestellt und gemeint, wenn ich eh einen Pufferspeicher hab’ , wäre eine Solaranlage sinnvoll. Platz hatte ich auch, meine Kollektoren liegen nicht am Dach, sondern stehen am Boden, südwestseitig, dadurch war das relativ logisch. Das einzige Problem – wie bei jeder Energie – ist die Speicherbarkeit. Wenn die Sonne im Sommer runterbrennt, steht die Solaranlage mit 90 Grad, ich brauch aber keine Wärme. Wenn es dann bewölkt ist und ich die Wärme bräuchte, kommt halt relativ wenig. Das ist halt das große Mirakel der Energie.

Sie sind vom Benzinbruder zum Naturapostel geworden, kann man sagen. Ist Ihr ökologisches Gewissen erwacht?

Nein, ich war das eigentlich immer. Auch wenn ich große amerikanische Autos daheim stehen hatte, ich hab die gesammelt als Objekte, so wie andere Sonnenbrillen sammeln. Die sind bei mir in der Garage gestanden und sind vielleicht dreimal im Jahr bewegt worden. Ich hab mit diesen Autos keinen Schmutz gemacht, das waren alte Autos aus den 1960er und 1970er Jahren, die nicht extra für mich gebaut wurden, die hat es schon gegeben. Heute hab’  ich Motorräder, mit denen fahre ich noch immer und gerne, ich hab kein schlechtes Gewissen dabei. Dafür schau ich auf andere Sachen, wo man mit Ressourcen vernünftig umgehen kann, zum Beispiel bei Lebensmittel. Die meisten Menschen glauben, die Autofahrer machen den größten Dreck, dabei sind es die Fleischesser. Ich verstehe mich als jemand, der immer schon mit der Natur gelebt hat. Darum war immer der Drang da, aufs Land zu ziehen, mit eigenem Gemüsegarten, nicht weil mir das wer gesagt hat oder weil ich einen Bewusstseinswandel gehabt hab, sondern weil es immer in mir drinnen war, der Bezug und die Liebe zur Natur.

Hatten Sie dabei keine Vorbilder?

Wenn etwas ein Vorbild für mich war, war es mein Garten. Der zeigt dir nämlich, was wirklich Sache ist, inwieweit wir nur Teil eines ganz großen Systems sind. Wenn du deine Lebensmittel aus dem Garten beziehst, ist auf einmal alles anders. Dann bist du abhängig von kosmischer Energie, vom Wind, ob der Samen will oder nicht, ob die Schnecken beim Salat ernten schneller sind als du, du bist von ganz vielen Faktoren abhängig. Das ist, was der Mensch immer war – von der Natur abhängig. Das ist auch nichts Schlechtes. Der Garten hat mich sehr viel gelehrt.

Denken Sie, dass Sie jetzt vielleicht selbst ein Vorbild sind, in Bezug auf Nachhaltigkeit und Erneuerbare Energie?

Ob ich ein Vorbild bin, das weiß ich nicht. Vielleicht bin ich für manche ein Vorbild, für andere bin ich ein Feindbild, es ist mir relativ wurscht, was ich für die anderen bin. Ich probiere, meinen Weg zu gehen und möglichst wenig dem Leben im Allgemeinen zu schaden.

Wo, glauben Sie, stehen wir in Österreich in 20 Jahren – wird es viele geben, die angehalten und umgeschwenkt haben, oder werden wir stur so weitermachen wie bisher?

Ich glaub da geht es nicht um Österreich, da geht es mittlerweile um die ganze Welt, wo steht die in 20 Jahren? Das ist wie Kaffesudlesen, man kann es nicht sagen. Was ich nicht glaube, ist, dass plötzlich der große Bewusstseinswandel eintritt und die Menschen anders funktionieren und anders mit Ressourcen umgehen.  Davon darf man nicht ausgehen. Ich glaub, dass wir uns erst dann ändern, wenn es ans Eingemachte geht.

Wenn Sie sich für die Energiezukunft Österreichs etwas wünschen dürften, was wäre das?

Was meinen Sie, was ist das, Energiezukunft?

Na ja, die Energiezukunft Österreichs ist die Zukunft der Energieversorgung in Österreich.

Was ich mir da wünschen darf?

Genau.

Das wir uns nicht Gedanken darüber machen, wo unsere Energie in Zukunft her kommt, sondern dass wir uns Gedanken machen, wie wir alle miteinander weniger verbrauchen in Zukunft. Dann ist das Problem gelöst. Der hohe Benzinpreis ist nur ein Problem, wenn ich mit dem Auto fahre. Fahre ich nicht, hab ich mit dem Benzinpreis kein Problem.

 

Meine Solaranlage und ich – ein Abenteuer im Burgenland

Es war an einem heißen Sommertag im August 2011. Ich hatte gerade eine Presseaussendung verschickt, wie absurd es sei, dass trotz Tropenhitze im ganzen Land 1,6 Millionen Kessel liefen um warmes Wasser zu produzieren. Viele davon waren mit Öl oder Gas befeuert und mehr als 30 Jahre alt, ein Energie-Wahnsinn sondergleichen. So wie im Haus meiner Schwiegermutter, in dem ich mich gerade aufhielt. So geht das nicht weiter, sagte ich zu meiner Frau, wir brauchen eine Solaranlage! Wundert mich, dass dir das jetzt erst einfällt, war ihre Antwort.

Die 30 Jahre alte Gasheizung (c)Roger Hackstock

Das Haus steht im Südburgenland, also wandte ich mich an den Innungsmeister, sozusagen den obersten Installateur im Bundesland, ob er so eine Anlage installieren kann. Selbstverständlich, meinte er, bei der alten Gasheizung mache das aber keinen Sinn, die müsste raus. Beim ersten Anbot für eine neue Gasbrennwertheizung mit Solaranlage – mit Holz heizt schon der Küchenherd – brauchte ich einen Schnaps. Soviel kostet das, damit hatte ich nicht gerechnet! Der Familienrat trat zusammen, wir entschieden uns schließlich doch für die große Lösung: eine solare Heizungsunterstützung! 20 Quadratmeter Kollektoren und ein 1.000 Liter Speicher sollten mindestens ein halbes Jahr komplett die Wärmeversorgung übernehmen.

20 m2 Kollektoren sonnen sich am Dach (c)Manfred Strobl

Beim Einbau merkten wir dann wie niedrig der Keller war und mussten auf 750 Liter Speicher reduzieren. Als Geschäftsführer von Austria Solar durfte ich keine Firma bevorzugen, also verlangte ich einfach das Austria Solar Gütesiegel! Damit kamen 25 Anbieter in Frage. Natürlich wollte ich ganz bescheiden die beste Solaranlage des Burgenlandes, also griff ich auf das Know-how der AEE INTEC zurück. Drei Monate lang tüftelten sie gemeinsam mit dem Solaranbieter am Hydraulikplan, bis eine optimale Lösung gefunden wurde. Bei ausreichendem Sonnenschein sollte die Solaranlage direkt in die Heizung gehen, bei trübem Wetter über die Gastherme als Nachheizung. Nur bei anhaltendem Schlechtwetter durfte die Solaranlage pausieren und die Gastherme übernahm die komplette Arbeit. Um das überprüfen zu können installierten wir einen Internetanschluss zur Fernüberwachung der Anlage. Die Sache hatte allerdings einen Haken: mit den alten gusseisernen Heizkörpern in allen Räumen war an einen optimalen Solarertrag nicht zu denken, dafür braucht es eine Niedertemperatur-Wärmeverteilung im Haus. Also raus mit den alten Ungetümen und rein mit nagelneuen Niedertemperatur-Heizkörpern samt Thermostatreglern.

Neue effiziente Heizkörper um den Solarertrag zu steigern (c)Manfred Strobl

Die nächste Überraschung folgte am Dach. Auf solch morschen Dachsparren würde er keine Kollektoren montieren, meinte der Dachdecker. So wurde die ohnehin fällige Dachsanierung vorgezogen, bevor der Kran mit den Kollektoren kam. Aus der ursprünglichen Idee einer Solaranlage war ein kapitaler Umbau geworden, der in Summe fast 40 000 Euro kostete. Dafür waren alle Leitungen super gedämmt, jeder Heizkörper einzeln eingeregelt, das ganze System auf minimalen Gasverbrauch optimiert. Jetzt wollte ich natürlich genau wissen, was die Solaranlage bringt. Der Solaranbieter war sehr zuvorkommend und richtete extra eine Visualisierung ein. Damit habe ich die Solaranlage immer im Blick.

Visualisieurng online - die Solaranlage immer im Blick (Screenshot)

Die Anlage lief von Anfang an nach Plan, ich war begeistert! Meiner Erfahrung nach gab es aber immer Verbesserungspotenzial, wenn man sie eine Zeit lang beobachtete. Tatsächlich zeigten die Speichertemperaturen manchmal seltsame Werte und der Oma war es an besonders kalten Tagen im Haus nicht warm genug. Nach zwei Monaten kamen daher Anlagenlieferant und Installateur nochmals vorbei und gingen die ganze Anlage durch. Der Volumenstrom der Heizung war zu sparsam eingestellt und ein Fühler falsch platziert – die Behebung der Probleme war im Nu erledigt! Zufällig war es an dem Tag kalt aber sonnig und die Solaranlage zeigte, was sie kann. Am 13. Dezember stand die Gastherme bei 4 Grad Außentemperatur still und die Solaranlage heizte alleine das Haus! Da staunten selbst die Handwerker, eine eindrucksvolle Demonstration was ein optimal eingestelltes Heizsystem mit Solaranlage zu leisten im Stande ist. Auch ein Journalist war an dem Tag dabei – hier ist sein Bericht in „Der österreichische Installateur“!

Da freut man sich, wenn´s von der Solaranlage warm runter kommt! (c)Manfred Strobl

Europäischer Tag der Sonne kehrt an seinen Ursprung zurück

Logo European Solar Days (c) ESTIF

Im Jahr 2002 hatte der Verband Austria Solar die Idee, Solarwärme durch eine Reihe von Veranstaltungen überall in Österreich bekannt zu machen. Der Tag der Sonne war geboren, der erste fand am 24. Mai 2002 statt. Schulen, Universitäten, Betriebe, Gemeinden, Energieagenturen und viele andere Organisationen zeigten an diesem Festtag der Sonne, welche enorme Energiemenge uns Tag für Tag kostenlos von der Sonne geschenkt wird und wie wir sie für Wärmezwecke nutzen können.

Die Idee machte Schule, nach zwei Jahren (2004) übernahm die Schweiz das Konzept, zwei Jahre später (2006) Deutschland. Mit einem EU-Projekt im Programm Intelligent Energy Europe gelang 2008 die Ausweitung auf 8 Länder. Dann ging es rasant, jedes Jahr kamen neue Länder hinzu. Mittlerweile feiern 19 Staaten Jahr für Jahr Anfang Mai den Europäischen Tag der Sonne.

ESTIF, der europäische Solarindustrieverband, lud auch heuer wieder zu einer Konferenz der KoordinatorInnen des Europäischen Tag der Sonne ein. Am 19. und 20. November 2012 trafen sich 25 TeilnehmerInnen aus 15 Ländern, diesmal im Ursprungsland der erfolgreichen Solar-Bewegung: in Österreich. Natürlich war auch Austria Solar als „Spiritus Rector“ des Tag der Sonne bei der Konferenz in Wien dabei. Nicht zufällig trafen sich die Solar-Experten im Hotel Wilhelmshof, wo sie die zweitgrösste Hotel-Solarwärmeanlage Wiens besichtigen konnten.

Eindrücke von der European Solar Days Konferenz (c)Renate Fuchs

Roger Hackstock, Geschäftsführer von Austria Solar und Renate Fuchs als Verantwortliche für den Tag der Sonne in Österreich waren dabei und berichteten von ihren Erfahrungen und was für 2013 geplant ist. Der Austausch der anwesenden Solar-Experten von Ukraine bis Portugal, von Norwegen bis Italien war lebhaft und interessant - einige haben langjährige Erfahrung, andere sind erst seit wenigen Jahren dabei. Die landesspezifischen Unterschiede machen den Tag der Sonne in jedem Land zu einem neuen Abenteuer in Sachen soziales Marketing. Was aber alle eint, ist der Wille das kostenlose Energiegeschenk der Sonne den Menschen näher zu bringen.

Die Vorbereitung der 6. European Solar Days von 1. bis 19. Mai 2013 ist in allen Ländern bereits im Laufen, auch bei uns findet die Aktion wieder am 3. und 4. Mai 2013 statt. Wir freuen uns schon darauf und auf den Austausch bei der nächsten Konferenz!

Auf jeden Fall den Termin schon mal vormerken:

Tag der Sonne 2013 (c) Renate Fuchs

Solarwärme im Gespräch mit Forschungsleiterin Sabine Putz

Sabine Putz (c) S.O.L.i.D

In der Reihe unserer Interviews zur aktuellen Lage und Zukunft von Solarwärme setzen wir mit der Leiterin der Forschungs- und Entwicklungsabteilung der Firma S.O.L.I.D. fort. Sabine Putz ist eine der wenigen Technikerinnen in der Branche. Die bisherigen Interviewpartner (alles Männer) waren: Wr. Stadtverwaltung (Bernd Vogl), Solarindustrie (Robert Kanduth), Forschung (Werner Weiss), Bundespolitik (Reinhold Mitterlehner) und Großanlagenbau (Christian Holter)

 1. Erst einmal dürfen wir zum Titel “Expertin des Monats“ von FEMtech, einer Initiative des BMVIT, gratulieren.  Frauen in der Technik sind immer noch eher die Ausnahme. Was hat Sie zur Technik gebracht?

Als junges Mädchen interessierte ich mich schon immer wie Dinge funktionieren und  habe viele Fragen gestellt, bis ich wusste was ich wissen musste. Es reicht für mich nicht, dass der Strom aus der Steckdose kommt, es ist viel zu interessant zu wissen wie es dazu kommt. Ich würde also sagen mein technisches Verständnis ist eine Gabe der Natur. 

2.  Und warum gerade das Thema Solarwärme?

Nach 11 Jahren im Bereich Photovoltaik, einem kurzen Abstecher in die Medizintechnik und Metallverarbeitung, zog es mich zurück zu den alternativen Energien. Da bin ich zu Hause und sehe den Sinn meines Engagements erfüllt.

3.  Wird auf Sie in der Branche anders als auf männliche Kollegen reagiert?

Nein, nicht mehr. Frauen werden zwar bei Veranstaltungen und Projekten immer als Anwesende hervorgehoben, aber nicht anders behandelt. Vor 15 Jahren, als ich noch in der Photovoltaik beheimatet war, ist es mir allerdings öfter passiert. Bei Messen und Konferenzen wurde ich oft mal Kaffee holen geschickt, weil man nicht annahm, dass ich die zuständige Technikerin bin.

4. Sehen Sie einen Bedarf an mehr Frauen in technischen Berufen?

Natürlich. Ich finde allerdings, dass sich nur interessierte Frauen technischen Berufen zuwenden sollen, und nicht solche, die guten Verdienst wittern oder mehr Gender-Anerkennung wünschen.

5. Herrscht im Bereich der Erneuerbaren Energien eine höhere Akzeptanz gegenüber Technikerinnen?

In der Erneuerbare Energie Branche sehe ich heute keine Ungleichbehandlung – im Gegenteil, man freut sich über weibliche Beteiligung und die Akzeptanz ist gross.

6. Sie leiten bei S.O.L.I.D. den Bereich Forschung und Entwicklung. Welche großen Forschungsziele verfolgt Ihr Unternehmen?

Wir sind seit Jahren bemüht die Branche zu aktivieren, weil wir lange alleine auf weiter Flur im Bereich Grosssolaranlagen waren. Wir arbeiten in vielen Forschungsprojekten mit, die zum Ziel haben Erneuerbare Energie und speziell Solarthermie in Gebieten zu verbreiten, in denen sie gänzlich unbewusst ist. Derzeit arbeiten wir an 15 Forschungsprojekten (5 europäische, 3 IEA Tasks und 7 nationale). Die Themen reichen von Speichertechnologien über solare Kühlung bis solare Prozesswärme/kälte. Die grossen Ziele für die nächsten Jahre sind Fassadenintegration, Vakuumflachkollektortechnologie, optimierte und massgeschneiderte Lösungen für Grossanlagen und Saisonalspeicher wie in Dänemark .

7. Haben Sie ein persönliches Lieblingsprojekt, an dem Sie arbeiten oder gerne arbeiten würden?

Ich hab das Glück ein sehr innovatives Projekt zu leiten, das in Kürze vom Stapel geht. 10.000 Quadratmeter Solarthermie, die neben industrieller Abwärme einen 65.000 Kubikmeter (!) Saisonalspeicher speisen werden, dessen Wärme einen Stadtteil von Graz im Winter versorgen soll. Somit hab ich keine weiteren grossen Wünsche. 

8. Wohin geht die technische Entwicklung? Bleibt es bei der klassischen Wärme- und Warmwassererzeugung oder geht es auch in neue Richtungen?

Die Richtung geht ganz klar in Richtung solare Prozesswärme und Kälte. Solare Kühlung ist nur in klimatisch begünstigten Gebieten von Vorteil, deswegen ist unser dahingehend Engagement auch ausserhalb von Europa. Kombianlagen und Netzeinspeisung sind zwei weitere grosse Themen.

9. Wo sehen Sie die  Solarwärme technisch in 20 Jahren?

Kunststoffe werden den bekannten Werkstoffen den Rang ablaufen. Automatisiertes Betreiben und Überwachen wird ein gutes Instrument sein um Investitionen begründen zu können und noch viel wichtiger: im Bereich der Speicherung von Wärme wird´s die grössten Fortschritte geben. Zur Zeit kostet die Planung und Auslegung von Solaren Grossanlagen noch viel Geld, ich hoffe in 20 Jahren wird auch dies automatisiert werden.

10.  Wenn Sie sich für die Energiezukunft Österreichs etwas wünschen dürften, was wäre das?

Erst mal Umdenken im Eigenverbrauch von Energie durch zwingende politische Massnahmen zu bewirken. Gefolgt von alternativen Energieprojekten, die auch ohne hohe Förderung gebaut werden können und MÜSSEN – auch hier sehe ich zwingende Massnahmen für notwendig. Nicht nur der Häuslbauer soll gezwungen werden alternativ Energie zu erzeugen, auch die Industrie muss zwangsbeGLÜCKt werden! 

Sonne in Dalmatien oder Solare Urlaubseindrücke

Apartmenthaussiedlung mit Solaranlagen, Mittel-Dalmatien (c)Renate Fuchs

Auch Austria Solar, namentlich meine Person (Renate Fuchs) hat einen Sommerurlaub genossen. Ziel war Mitteldalmatien, südlich von Split, einem der schönsten Küstenstriche Kroatiens. Und ich kam nicht umhin, auch hier Solaranlagen zu entdecken.

Solaranlagen in einer Apartmenthaussiedlung (c) Renate Fuchs

Auch wenn manche von ihnen eher einfacherer Bauart sind:

Duschwasserheizung via Sonnenenergie in Kastela/Dalmatien (c)Renate Fuchs

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kroatien ist ein ideales Land für Erneuerbare Energie. Kein Land in Europa hat mehr Sonnenstunden pro Jahr – ideal für die Nutzung von Sonnenenergie. Und kaum ein europäisches Land hat mehr Küstengebiet im Verhältnis zur Gesamtfläche. Die Nord-Süd-Erstreckung wiederum begünstigt konstante Windverhältnisse, die Jahr für Jahr neue Windparks aus dem Boden sprießen lassen. Zusätzlich bieten Thermenlinien, reichhaltige Biomassevorkommen und die Notwendigkeit einer Neuorganisation der Abfallwirtschaft reichlich technisches Potenzial für Erdwärme, Biogasproduktion und Fernwärme mittels Müllverbrennung.

Aber vor allem die Nutzung der Sonnenenergie für den Wärmebedarf bietet sich an, bevorzugt in Dalmatien, wo die winterlichen Temperaturen so gut wie nie unter Null Grad fallen. Damit erspart man sich die Beigabe von Frostschutzmitteln im Solarkreis.

Die Nutzung von Solarenergie ist besonders für Einfamilien- und Apartmenthausbesitzer interessant. Entsprechende Förderungen laden ein, hier zu investieren. Die Amortisationszeiten sind recht kurz, da die Solarwärme meistens Strom ersetzt, selten auch Gas aus Gasflaschen, da es so gut wie kein regionales Gasnetz gibt.

Für österreichische Unternehmen müsste es daher aus meiner Sicht attraktiv sein, sich in Dalmatien zu engagieren. Es wird mich freuen, nächstes Jahr im Urlaub noch viel mehr Solaranlagen auf den Dächern und in den Siedlungen zu sehen.

Solarwärme im Gespräch mit S.O.L.I.D.-Chef Christian Holter

Christian Holter (c) Christian Holter

In der Reihe unserer Interviews mit Vertretern aus Stadtverwaltung (Bernd Vogl), Solarindustrie (Robert Kanduth), Forschung (Werner Weiss) und Bundespolitik (Reinhold Mitterlehner) setzen wir nun mit einem Gespräch mit Christian Holter fort, Geschäftsführer der Firma S.O.L.I.D. und spezieller Auslandsexperte der Branche.

1.       Österreich ist und war ein führendes Land in Sachen Solarwärme. Trotzdem hat man das Gefühl, dass alle Welt nur mehr über Photovoltaik spricht, woran könnte das liegen?

Photovoltaik findet Unterstützung durch Großunternehmen, insbesonders auch Energieversorger und große Produzenten. Dadurch gibt es gutes Lobbing. Und: Photovoltaik ist unabhängig vom Verbraucher- Module aufs Dach, Wechselrichter anschließen, es braucht nicht mehr nachdenken. Solarwärme ist da komplizierter.

  2.       Ihr Unternehmen ist weltweit tätig, Sie selbst sind, wenn ich so sagen darf, sehr umtriebig und reisen viel. Wo waren Sie gerade zuletzt?

USA und Karibik.

 3.       Und wie ist die Situation bezüglich Solarwärme dort?

Solarwärme ist der schlafende Riese. Unglaubliches Potential, aber kein Markt und keine Akteure.

4.       Sie waren bei der Intersolar 2012 in den USA. Laut Twitter waren Sie von den Vorträgen über Solare Kühlung beeindruckt. Wie sieht hier die Tendenz international aus?

Solare Kühlung gerade im kommerziellen Bereich hat tolles Potential in den Sonnenländern. Die Technologie ersetzt nicht nur Produktion im Kraftwerkspark zu Spitzenlastpreisen, sie entlastet – im Gegensatz zu PV – auch die Stromnetze und kann für die Abendstunden leicht gespeichert werden. Aber: Das gewusst wie fehlt in praktisch allen Ländern.

5.       Sie haben auch große Solaranlagen in China gebaut. Dieses Land wird derzeit sehr ambivalent wahrgenommen: einerseits als Zukunftsmarkt, andererseits als immer stärker werdende Konkurrenz. Wie nehmen Sie China wahr?

Ich sehe wenig Chancen für österreichische Unternehmen, nachhaltig nach China zu verkaufen. Umgekehrt erzeugt China sicherlich einen Preisdruck auf unsere Hersteller, auch wenn chinesische Anbieter bislang – insbesonders was Systemtechnik betrifft – keine wirkliche Bedrohung für die heimischen Unternehmen darstellen.  

6.       Wenn Sie ein Haus bauen würden, welches Heizsystem würden Sie einbauen und welchen Ratschlag können Sie Menschen und Unternehmen geben, die vor einer Entscheidung im Wärmebereich stehen?

Schritt eins ist immer hervorragend dämmen und eine Niedertemperaturheizung. Und für den geringen Wärmerest scheint alles teuer und unwirtschaftlich, ist aber notwendig. Mittelfristig hat Solarwärme da einen großen Platz – sowohl über zentrale Versorgungsnetze als auch in Einzellösungen mt Speichern.

7.       Wie heizen Sie bei Ihnen zu Hause?

Ich speichere Sommersonnenwärme für die Wintermonate, und ergänze das mit Stückholz aus dem eigenen Garten. Die letzten 20 Jahre habe ich um in Summe 600 Euro Holz zukaufen müssen. 

8.       Mit dem Wissen Ihrer internationalen Erfahrungen: was muss in Österreich passieren, damit sich die Solarwärmebranche besser positionieren kann?

Solarwärme muss in Bezug auf öffentliche Unterstützung (=finanziell, aber auch Aufmerksamkeit und Werbung) gleich behandelt werden wie PV. Und für Großprojekte muss die Tür weit aufgemacht werden.

9.       Wenn Sie sich für die Energiezukunft Österreichs etwas wünschen dürften, was wäre das?

Ein ehrliches ernstes und gelebtes Kommittment zu Erneuerbaren und Steuern für Fossile – als Steuerungsinstrument.

Weitere Interviews aus der Serie “Solarwärme im Gespräch”

 

 

Neue Kraft für die Sonne

Ich möchte die Gelegenheit nutzen und mich hier kurz vorstellen, als neue Mitarbeiterin des Verbandes Austria Solar, aber auch als Mit-Autorin dieses Blogs.

Mein Name ist Renate Fuchs, ich bin diplomierte Elektrotechnikerin für den Bereich Erneuerbare Energien.

Nach einer langen Berufstätigkeit im Finanzbereich habe ich mich, getrieben von dem Wunsch nach Nachhaltigkeit und Sicherung einer lebenswerten Zukunft, entschlossen, einen für mich neuen Weg zu gehen und eine Ausbildung im Bereich Erneuerbare Energien zu machen.
Diese hat mich schließlich zum Verband Austria Solar geführt und seit 1.Juni 2012 bin ich hier als Assistentin der Geschäftsführung tätig.
Ich freue mich darauf, in dieser Funktion  hier in unserem Blog über interessante, diskutierenswerte und mitunter vielleicht auch provokante Themen zu schreiben, aber auch meine persönlichen Eindrücke und Erfahrungen zu schildern, in der gewohnt hochqualitativen Form der bisherigen Artikel.

Am Dach des Hotels "Der Wilhelmshof" (c) Renate Fuchs

Solarfrühstück im Hotel Wilhelmshof

Einladung zum Solarfrühstück im Hotel Wilhelmshof

In Wien gibt es bereits einige beachtlich große Solarwärmeanlagen. Eine davon befindet sich im 2. Bezirk am Hotel Wilhelmshof. Die Besichtigung der Anlage ist schon einmal auf grosses Interesses gestossen, der Verband Austria Solar wiederholt daher das Solarfrühstück mit Anlagenbesichtigung. Wer die zweitgrößte thermische Solaranlage auf einem Hotel in Wien live besichtigen möchte, hat beim Solarfrühstück am 13. Juni 2012 eine tolle Gelegenheit dazu!

Eingeladen sind Journalisten, Blogger, und Interessierte. Vielleicht auch der ein oder andere Hotelbesitzer, der ebenfalls diesen Schritt überlegt!  :-)

Solarfrühstück Infos

Datum: Mittwoch, 13. Juni 2012
Treffpunkt: 9 Uhr im Hotel
Adresse: Der Wilhelmshof – Wiener Hotel, Kleine Stadtgutgasse 4, 1020 Wien

Die Anmeldung zum Solarfrühstück läuft über dieses Dokument. Einfach Name und Organisation eintragen – dann kann man die Website schliessen. Die Daten werden automatisch gespeichert.

Infos zur Anlage

  • 154 m2 Kollektorfläche
  • 70.000 kWh jährlicher Solarertrag
  • Einsparung ca. 4.500 Euro/Jahr
  • Warmwasser für Hotelzimmer und Wäscherei
  • Nachheizung mit Erdgas

Bei Fragen einfach im Kommentarfeld posten oder ein Email an office@austriasolar.at.

Solarwärme im Gespräch mit Unternehmer Robert Kanduth

Solarwärme im Gespräch mit GreenOneTec CEO Robert Kanduth

Der Serie Solarwärme im Gespräch geht weiter und heute sprechen wir mit Robert Kanduth, einem der erfolgreichsten Solarunternehmer Österreichs und CEO des Kärntner Kollektorerzeugers GreenOneTec.

Herr Kanduth, Sie bekommen die gleiche Frage wie auch Bernd Vogl im letzen Interview. Österreich ist und war ein führendes Land in Sachen Solarthermie. Trotzdem hat man das Gefühl, dass alle Welt nur mehr über Photovoltaik spricht, woran könnte das liegen?

“Das ist grundsätzlich richtig. Photovoltaik ist sexy weil man Strom erzeugt, aber ich versteh’s nicht ganz, weil beide Mal produziert man kWh. Außerdem braucht man in Österreich 85% Wärme aber nur 15% Strom. Die ganze Bevölkerung möchte die 15% haben und einspeisen. Ich versteh’s  wirklich nicht, weil Solarthermie ist noch immer wesentlicher effizienter als die Photovoltaik.”

Ihr Unternehmen ist führend im Bereich der Flachkollektoren und ist aber auch im Bereich Photovoltaik aktiv. Wie sehen Sie die Entwicklungen der beiden Technologien in den nächsten Jahren?

“Es ist so: Beide Technologien haben eine Daseinsberechtigung, aber das Photovoltaikgeschäft ist derzeit wahnsinnig schwierig, weil die Chinesen mit staatlicher Förderung die Module zu Dumpingpreisen in die ganze Welt liefern. Das ist das große Problem der Photovoltaik. Das passiert uns bei der thermischen Solarenergie noch nicht, ich sage aber bewusst, noch nicht.”

Warum tritt die WTO hier nicht stärker auf?

“Normalerweise wär das der richtige Weg, aber aus irgendeinem Grund traut sich niemand hier einzugreifen. Die ganze Welt und vor allem Europa fürchtet sich vor China wie die Maus vor der Schlange. Er herrscht furchbare Angst vor der Einführung von Zöllen auch wenn die chinesischen Hersteller nachweislich mit Dumpingpreisen in den Markt eintreten. Die letzten 5 Jahre wurden satte 50 Mrd. Dollar in die Photovoltaik investiert. Die chinesische Staatsbank finanziert weltweit Projekte, die mit chinesischen Modulen gebaut werden. Europas muss munter werden denn es sind nichtmal die niedrigen Lohnkosten, sondern die massiven Subventionen durch den chinesischen Staat. Wenn China auch im Solarthermiemarkt so massiv einsteigt, wird’s schwierig für Europa.”

Welche Rahmenbedingungen bräuchte die Solarwärme in Österreich oder der EU um einen Schub nach vorne zu bekommen?

“Grundsätzlich muss sich Europa das Ziel setzen, bis 2050 energieautark zu werden. Das heißt aber auch, dass es gesetzliche Rahmenbedingungen für diesen Weg braucht. Die Solarthermie ist mittlerweile die wirtschaftlichste Möglichkeit der erneuerbaren Energien. Es gibt nichts Effizienteres als die Solarthermie. Deshalb muss es bei jedem Neubau und bei jeder Sanierung verpflichtend vorgegeben werden. Dann müsste der Staat nicht mal einen Cent in die Hand nehmen.”

Also wäre die Solarthermie auch ohne Förderung wirtschaftlich?

Ja selbstverständlich wärs wirtschaftlich, aber die Leute wollen einfach Förderungen, weils sexy ist. Man kann sagen mit Förderung rechnet sich die Anlage in acht Jahren und ohne in zwölf Jahren. Man muss hier aber wirklich längerfristig denken. Es geht eben nicht so wie bei der Industrie, dass sich jede Anschaffung in 3-4 Jahren rechnet.

Nur ein Beispiel: Wir haben erst kürzlich jene Kollektoren prüfen lassen, die vor über 20 Jahren gebaut wurden. Zehn Kollektoren von zehn unterschiedlichen Typen wurden untersucht und nicht das geringste Problem konnte festgestellt werden. Wir gehen heute von einer Lebensdauer von 40 Jahren aus. Ich kann das heute tatsächlich behaupten. Ich bin seit über 20 Jahren im Geschäft und produziere Kollektoren und auch dieser Test hat wieder bewiesen, dass es möglich ist. In den Kollektoren ist einfach nichts drinnen was kaputt wird. Die Anlage hält etwas länger als ein Dach. Natürlich müssen einzelne Komponenten wie Pumpen getauscht werden und nach 10-20 Jahren wird wohl auch mal ein Boiler kaputt, aber das sind keine massiven Kostentreiber. Es muss sich durchsetzten, dass eine Solaranlage eine Investition fürs ganze Leben ist und ich dann aber auch ein Leben lang nichts mehr tun muss für die Energie.

6. Wie sehen Sie die Entwicklungen ihres Unternehmens in den nächsten Jahren?

Wir versuchen weiter zu wachsen, aber der Markt in Europa ist seit 2008 jedes Jahr rückläufig. Es ist wahnsinnig schwierig neue Kunden zu bekommen und wir versuchen nun einfache und günstige Systeme auf den Markt zu bringen die vielleicht etwas weniger Energie bringen als hocheffiziente Kollektoren, aber dafür nur den halben Preis kosten. So wird die große Hürde der Investitionssumme geringer. Die Idee ist, dass in Zukunft wirklich jeder Haushalt eine Solaranlage hat. Der Unterschied wird nur sein, dass eine Anlage eben 90 % des Warmwassers abdeckt und die andere eben nur 65-70%.

Wissen Sie warum bei all diesen guten Voraussetzungen der Markt in Europa seit 2008 rückläufig ist?

Tja, wenn ich das nur wüsste! Es gibt so viele Studien und Ideen darüber, aber ich muss echt sagen, ich weiß es nicht. Eine Idee wäre, dass die PV so stark gewachsen ist und die Solarthermie substituiert hat. Bei der PV bekommt der Kunde eben bares Geld auf die Hand und bei der Solarthermie sind es „nur“ die Einsparungen.

Was halten Sie von der Kombination Wärmepumpe und Photovoltaik?

Ja, ist auch ein Thema, aber trotzdem produziere ich die Energie mit Photovoltaik und Wärmepumpe noch immer teurer als mit der thermischen Solarenergie. Die thermische Anlage ist immer noch die günstigere Variane. Beim Vergleich einer grösseren Anlage (etwa 100 m²) wo beide Anlagen über 20 Jahre laufen, produziert man die kWh mit Photovoltaik um 9,5 ct und mit Solarthermie um 4ct. Also auch noch wesentlich günstiger als Windenergie und vermutlich auch als neu installierte Wasserkraft.

Warum tut sich dann nicht mehr?

Das einzige Problem ist, dass ich die Anlage heute bezahlen muss und die Investitionskosten für manche zu hoch sind.

Wenn Sie ein Haus bauen würden, welches Heizsystem würden Sie einbauen und welchen Ratschlag können Sie Menschen und Unternehmen geben, die vor einer Entscheidung im Wärmebereich stehen?

Hier kann ich die Initiative Sonnenhaus empfehlen. Ich würde jedem raten eine wirklich riesige thermische Solaranlage zu installieren. Es gibt Häuser, die decken über 100% des Wärmebedarfes mit thermischen Kollektoren und großen Pufferspeichern.

Also gar kein Zweitsystem mit Pellets oder Gas für die wirklich kalten und nebeligen Tage?

Nein, nur ein System und für Notfälle einfach eine strombetriebene Heizpatrone im Pufferspeicher. Stromanschluss werden die Häuser ja auch in Zukunft haben. Diese Notfälle passieren bei einer richtig dimensionierten Anlage dann vielleicht an drei Tagen im Jahr.

Wie heizen Sie bei Ihnen zu Hause?

Ja, natürlich genau so! Ich habe bei mir privat 230 m² Sonnenkollektoren im Hang und einen 20.000 Liter Pufferspeicher. Ich decke so 95-98% des Wärmebedarfes. Das Haus ist jetzt 5 Jahre alt und zugegebenermaßen relativ groß. Bei einem normalen Einfamilienhaus würden vermutlich 100 m² reichen um dasselbe abzudecken und in all den Jahren haben wir kein einziges Mal gefroren.

Wenn Sie sich für die Energiezukunft Österreichs etwas wünschen dürften, was wäre das?

Die Österreicher brauchen eine Strategie, bis wann sie energieautark sein wollen. Die Regierung hat sich bei Veröffentlichung der 34% Ziele mit Händen und Füßen gewehrt und wollte sich lediglich auf ein 28% Ziel einlassen. Ein Jahr später sind sie draufgekommen, dass Österreich laut EU-Berechnungsmethoden ohnehin schon 30% hatte, also wollten sie bis 2020 die Erneuerbaren eigentlich abbauen. Es fehlen hier einfach echte Ambitionen. Ich würde mir wünschen, dass das Lobbying der Dinosaurier in Österreich verschwindet und dass wirklich Leute am Werk sind, die wissen wo die Zukunft liegt. Österreich sollte bis zum Jahr 2020 mindestens 40% und bis 2030 60 % aus erneuerbaren Energien erzeugen.  Mein Wunsch wäre, dass sich die Minister nicht mehr von einem Dinosaurier wie Veit Sorger von der Industriellenvereinigung (IV) beeinflussen lassen. Die Industrie selbst ist schon viel schlauer und auch innerhalb der IV gab es die letzten 3-4 Jahre einen massiven Wandel. Nur die Spitze tut noch weh, aber diese Leute werden die nächsten Jahre verschwinden. Dann wird auch die wohl wichtigste Vereinigung des Landes für die erneuerbaren Energien da sein und es wird einen riesen Knall geben.

Dieses Interview wurde auch im Fachmagazin GEBÄUDEINSTALLATION (Sept. 2012) und auf oekonews.at veröffentlicht, der online Tageszeitung für Erneuerbare Energien http://www.oekonews.at/index.php?mdoc_id=1072762

Die grössten Solarwärmeanlagen der Welt


Grösste Solarthermieanlage weltweit in Riad Quelle: APA/AAE-INTEC

Nachdem wir die grössten Solarthermieanlagen Österreichs vorgestellt haben, sind nun die weltweit grössten Anlagen an der Reihe. Hier geht es aber ausschließlich um Wärmeerzeugungsanlagen und nicht um Thermische Kraftwerke, welche in der Wüste Strom erzeugen. Die gute Nachricht gleich vorweg: Die Kollektoren der weltweit größten Anlage kommen sogar aus Österreich! Die Schlechte: Die grösste Anlage in Österreich ist mit 5.300 m² weit von der Weltspitze entfernt, wenngleich auch das unglaublich große Anlagen sind, wenn man bedenkt, dass eine Hausanlage oft nicht viel mehr als 10 m² umfasst.

1. Saudi Arabien/Riad 36.305 m²

Projekt: Princess Noura Bint Abdulrahman Universität für Frauen
Land: Saudi Arabien
Provinz: Riad
Generalunternehmer: Millenium Energy Industries (UK/JOR)
Installierte Fläche: 36.305 m²
Kollektoren: GreenOneTec (A)
Speicher: 6 x 150 m³
Leistung: 25.4 MWth
Kosten (Auftragswert Kollektoren):  € 3,6 Mio.
Kosten (Gesamtprojekt): US$ 11,5 Mrd.

2. Marstal/Aeroe: 33.365 m²

Projekt: Fernheizwerk Marstal
Land: Dänemark
Region: AEro
Kollektoren: Arcon und Sunmark (DK)
Installierte Fläche: 33.365 m²
Anzahl Kollektoren: 2.511
Zwei Gross-Speicher: 10.000 m³ und 70.000 m³
Höchstleistung: 25 MW
Jährliche Leistung: 14.500 MWh
Leistung/m²: 474 kWh/m²
Smart District Heating System mit Solar/Wärmepumpe/Hackschnitzelheizung-KWK:
a) 55% Solar-Anteil an Wärmeversorgung Marstal
b) 40 % Anteil Hackschnitzelheizung 4 MW mit ORC-Prozess 750 kWel an Wärmeversorgung Marstal
c) 4 % Anteil Wärmepumpe 1,5 MW
d) 1 % Anteil bestehender Ölkessel

Die Anlage wurde von Austria Solar Geschäftsführer Roger Hackstock im Sommer 2012 besucht, siehe: Dänemarks Sonnenseiten – ein solarer Urlaubsbericht

3. Ringkobing/Dänemark 15.024 m²

Projekt:Fernheizwerk Ringkobing
Land: Dänemark
Stadt: Ringkobing
Nettofläche: 15.024 m²
Anzahl Kollektoren: 1.200
Speicher: 1.700 m³
Höchstleistung: 10,5 MW
Jährliche Leistung: 6.838 MWh
Leistung/m²: 454 kWh/m²
Kollektoren/Generalunternehmer: Arcon (DK)
Kosten: ?

4. China/Hangzhou 13.000 m²

Projekt: Prozesswärme Textilfärbefabrik Daly Ltd
Land: China
Region: Hangzhou
Kollektoren: ?
Installierte Fläche: 13.000 m²
Leistung: 9 MWth
Projektentwickler: Shenzhen Quir Solar Technology Co., Ltd
Kosten (Gesamtsystem):~ € 1,11 Mio.

Mehr Infos zu weltweit grössten Anlage für Prozesswärme gibt es hier.

5. Sydfalster/Dänemark 12.074 m²

Projekt: Fernheizwerk Sydfalster
Land: Dänemark
Gemeinde: Sydfalster
Nettofläche: 12.075 m²
Anzahl Kollektoren: 966
Kollektorhersteller: Arcon
Leistung: ?
Kosten: ?

In weiterer Folge gibt es mittlerweile zahlreiche Anlagen, welche eine Kollektorfläche von etwa 10.000 m² aufweisen. Es ist auch klar erkennbar, dass Dänemark in diesem Bereich eine Vorreiterrolle spielt. Untenstehend dazu noch ein paar Links.

Leider sind nicht alle Anlagen gleich ausführlich beschrieben, deshalb müssen manche Felder leer bleiben. Wir freuen uns über Hinweise um die fehlenden Punkte zu ergänzen.

Weitere Infos: