Wenn Austria Solar es groß anlegt….

Die Teilnehmer des Workshops “Solare Großanlagen” (c)Renate Fuchs

Solarwärmeanlagen im Einfamilienhaus sind der Klassiker. Dass man Solarwärme auch weit darüber hinaus in Form von Großanlagen nutzen kann, ist noch zu wenig bekannt. Austria Solar und der Klima- und Energiefonds luden daher am 11.9.2012 eine branchenübergreifend bestückte Runde zu einem Großanlagen-Workshop ein.

Vertreter vieler Unternehmen und Organisationen engagierten sich gemeinsam zu dem Thema Solare Großanlagen (c)Renate Fuchs

Die Teilnehmerliste hätte nicht umfassender sein können: Vertreter von Solarwärme, Anlagenbau, Energieversorgern, Banken, Forschungsinstituten und Förderungsstellen fanden sich zur Diskussion der unterschiedlichen Aspekte von Großanlagen zusammen. Großanlagen haben eine Kollektorfläche von zumindest 500 m² und werden im Bereich der Fernwärmeversorgung, bei Industrieprozessen oder zur Klimatisierung von Gebäuden eingesetzt.

Die branchenübergreifende Mischung der Teilnehmer und die Art, wie das Thema aufgearbeitet wurde, ließ eine eigene Dynamik entstehen. Dabei wurde ein neues Veranstaltungskonzept erprobt, das bei den Teilnehmern maximale Lernprozesse bewirkt, den Austausch fördert und gänzlich ohne Power Point auskommt.

Auseinandersetzung mit dem Thema anhand einer bereits gebauten Anlage, sowie der Fragestellung eines konkreten Interessenten aus der Lebensmittelindustrie (c)Renate Fuchs

Gefordert wurden die Teilnehmer, als gegen Ende des Treffens eine Überraschung präsentiert wurde: in Form einer Videoeinspielung stellte ein Vertreter eines global tätigen Getränkeherstellers einen ganz konkreten Bedarf an Solarwärme für sein Unternehmen vor. Die Workshopteilnehmer hatten damit die Möglichkeit, an einem realen Beispiel branchenübergreifend über eine solarthermische Großanlage zu diskutieren. Es zeigte sich, dass bei solchen Projekten eine Zusammenarbeit der verschiedenen Branchen praktisch unabdingbar ist.

Der Workshop zeigte, dass nicht nur ein großer Bedarf nach Solaren Großanlagen besteht, sondern auch der Wille und die Kompetenz der Branche diesen zu decken. Der Solarwärme steht im wahrsten Sinne des Wortes Grosses bevor, wie es aussieht …

Förderung für Solare Großanlagen 2012 gestartet!

Solare Grossanlagen werden bis 21.9 wieder gefördert (c) Austria Solar, Paradigma

Wie sagt man so schön? Gut Ding braucht Weile. Nach einiger Verzögerung ist nun wieder die Förderung für solare Großanlagen gestartet! Solare Großanlagen bergen ein ungemeines Potenzial in Österreich und es ist zu erwarten, dass diese Art der Energieerzeugung gerade für Gewerbebetriebe mit hohem Wärmebedarf und steigenden Energiekosten unumgänglich wird.

Über solare Prozesswärme haben wir hier schon mal berichtet. Auch solare Kühlung wurde bereits erklärt. Falls Sie sich damals gedacht haben: “Alles toll, aber wie kann ich so etwas umsetzen” kommt hier nun die Antwort. Der Klima und Energiefonds hat ein neues Programm aufgelegt, bei dem es nicht nur 40 % Förderung für die Investitionskosten gibt sondern auch professionelle Beratung im Vorfeld, damit keine Planungsfehler bei diesen doch oft komplexen Projekten passieren.

Es geht vor allem darum, Demonstrationsanlagen für komplexe Anwendungen zu bauen, die dann flächendeckend in Österreich eingesetzt werden können. Gefördert werden Anlagen mit einer erforderlichen Mindestgröße von 100 m² Kollektorfläche in den Bereichen:

  • Solare Prozesswärme in Produktionsbetrieben
  • Solare Einspeisung in netzgebundene Wärmeversorgungen (Mikronetze, Nah- und Fernwärmenetze)
  • Hohe solare Deckungsgrade (über 20 % am Gesamtwärmebedarf) in Gewerbe- und Dienstleistungsbetrieben
  • Solar unterstützte Klimatisierung und deren Kombination mit solarer Warmwasseraufbereitung und Heizung in Zeiten ohne Kühlbedarf

Für interessierte Unternehmen wurde ein Leitfaden für die Ausschreibung erstellt. Wer noch nicht so recht weiß, ob eine Anlage für seinen Betrieb in Frage kommt, kann sich vorab an die unabhängige Forschungseinrichtung AEE-Intec wenden.

WICHTIG: Die Einreichfrist läuft von 13.6.2012 – 21.9.2012 und es müssen davor Termine für die Begleitforschung in die Zeitplanung einbezogen werden. Das Sommerloch in Unternehmen eignet sich hervorragend für diese Art der Strategiearbeit.

Weitere Infos und Ansprechpartner finden Sie hier.

Solarwärme im Gespräch mit AEE Chef Werner Weiss

Werner Weiss - Geschäftsführer der AEE Intec

Wir freuen uns sehr, heute einen der echten Insider der Solarwärmebranche bei unserer Serie “Solarwärme im Gespräch” interviewen zu dürfen. Es war sehr schwierig den international gefragten Experten Werner Weiss “vor den Vorhang” zu holen, aber wir haben es geschafft. Er ist Geschäftsführer der AEE - Institut für Nachhaltige Technologien welche sich mit der Erforschung der naturwissenschaftlich-technischen Grundlagen der thermischen Solarenergienutzung beschäftigt. Auf der Website sind alle Projekte zu sehen und auch spannende Studien wie “Potenzial der Solarthermie in Europa” runterzuladen. Es wurden ähnliche Fragen wie schon in den vorangegangen Interviews mit Bernd Vogl und Robert Kanduth gestellt, damit die Antworten vergleichbarer sind.

1. Herr Weiss, Österreich ist und war ein führendes Land in Sachen Solarthermie. Trotzdem hat man das Gefühl, dass alle Welt nur mehr über Photovoltaik spricht, woran könnte das liegen?

 Historisch betrachtet lag die Solarthermie in den vergangenen 20 Jahren immer weit vor der Photovoltaik. Weltweit sind 245 GW an solarthermischer Leistung installiert, während die Photovoltaik bei nur 67 GW liegt. Wenn man allerdings die Dynamik der beiden Märkte vergleicht, so hat sich in den vergangenen 5 Jahren vor allem in Europa sehr viel verändert. Die Photovoltaik boomt und holt rasant auf, während die Solarthermie stagniert oder rückläufig ist.

In Österreich stieg die installierte Photovoltaikleistung im Jahr 2011 im Vergleich zum Jahr 2010 um 95%. Der mittlere Systempreis ist vom Jahr 2010 auf das Jahr 2011 von 4.216 Euro/kWpeak auf 3.579 Euro/kWpeak – das heißt, um 15% in einem Jahr– gesunken.

Derartige Lernkurven fehlen bei der Solarthermie. Die Systempreise sind mit rund 1.000 Euro/kW seit zehn Jahren nahezu unverändert. Diese Entwicklung hat bei privaten Investoren zu einer Preis- wie auch Flächenkonkurrenz auf den Dächern geführt.

D.h. wenn es nicht gelingt, die Preise der Solarthermie signifikant zu senken, werden die kommenden Jahre schwierig.

2. Sie beschäftigen sich sehr stark mit dem Thema Heizen und Kühlen, wo sind die Potentiale der Solarwärme langfristig in Österreich und der Welt?

Die langfristigen Potenziale der Solarthermie liegen aus meiner Sicht im Wohngebäudebereich bei Gesamtlösungen – d.h. bei Hybridsystemen, die den gesamten Wärme- und Kühlbedarf zu 100% decken. Die Solarthermie darf, wenn sie langfristig bestehen will, kein „add-on“ zu einem konventionellen Heizsystem sein, das nur 10 oder 20% des Gesamtwärmebedarfs deckt.

Kurzfristige Lösungen können Hybridsysteme bestehend aus Solarthermie und Wärmepumpen oder Solarthermie und Gasbrennwerttechnik sein, wobei die Solarthermie mehr als 50% des Wärmebedarfs decken muss. Längerfristig müssen solarthermische Systeme in Kombination mit kompakten Speichern mit hohen Energiedichten 100% decken können.

Weitere große Potenziale sehe ich im Großanlagenbereich. Das sind Anlagen für industrielle Prozesswärme sowie bei der Einspeisung von Solarwärme in Nah- und Fernwärmesysteme.

3. Welche Rahmenbedingungen bräuchte die Solarwärme in Österreich oder der EU um einen Schub nach vorne zu bekommen.

Aus meiner Sicht müssten die derzeitigen innovationshemmenden Förderungen durch ertrags- und deckungsgradabhängige Förderinstrumente ersetzt werden. Weiters wären ordnungspolitische Maßnahmen wie zB. Verpflichtungen in einigen Bereichen wünschenswert.

4. Wenn Sie ein Haus bauen würden, welches Heizsystem würden Sie einbauen und welchen Ratschlag können Sie Menschen und Unternehmen geben, die vor einer Entscheidung im Wärmebereich stehen?

Derzeit würde ich einem solaren Heizsystem in Kombination mit einer Biomasseheizung den Vorzug geben.

Grundsätzlich ist es sinnvoll, den Heizwärmebedarf durch geeignete Dämmmaßnahmen auf ein möglichst geringes Maß zu reduzieren. Dieser geringe Bedarf sollte dann über erneuerbare Energien – vorzugsweise Solarthermie – gedeckt werden.

5. In welchen Unternehmen wäre der Einsatz von Solarwärmesystemen sinnvoll, was sollte man dabei beachten?

Unternehmen mit sehr großem Potenzial sehe ich in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie sowie bei der Metalloberflächenindustrie (Galvanik), da nahezu alle Prozesse dieser Unternehmen unter 100°C ablaufen. Um dieses Potenzial zu öffnen ist es allerdings erforderlich, das Wärmeversorgungsystem der Betriebe an solarthermische Anforderungen anzupassen.

6. Wie können städtische Wärmesysteme in ein erneuerbares Zeitalter gebracht werden?

Durch die intelligente Integration von Solarthermie in städtische Fernwärmesysteme. Diese Systeme müssen mittelfristig sowohl Wärme- wie auch Stromnetze kombinieren indem beispielsweise thermische Speicher für die Solarthermie aber auch für die Abwärme aus KWK Anlagen oder für kurzfristige Überschüsse aus PV oder Windstrom genutzt werden.

Die Senkung von Netztemperaturen sowie solare Wärmegestehungskosten in der Größenordnung von 20 – 30 Euro/MWh sind weitere Voraussetzungen für eine breite Anwendung.

7. Wenn Sie sich für die Energiezukunft Österreichs etwas wünschen dürften, was wäre das?

Eine mutige und zukunftsorientierte Energiepolitik, welche die Rahmenbedingungen für einen raschen Umbau unsers Energiesystems schafft.

Weitere Interviews aus der Serie “Solarwärme im Gespräch”