Replik auf ERNEUERBARE ENERGIE Artikel “Eiszeit für die Thermie”

Im Fachmagazin Erneuerbare Energien wurde im Dezember 2011 ein Artikel zum Marktrückgang bei Solarthermie mit dem Titel “Eiszeit für die Thermie” veröffentlicht. Die Schlussfolgerungen, welche vom Redakteur aufgrund der Analyse des Marktes und der Fördersituation im Artikel gezogen werden, können wir so nicht stehen lassen. Hier unsere Stellungnahme an den Redakteur Heiko Schwarzburger.

Offener Brief an den Redakteur Heiko Schwarzburger:

Sehr geehrter Herr Schwarzburger,

Die sinkende Nachfrage nach Solarkollektoren seit 2010 hat auch in der Solarwärmebranche einige Fragen aufgeworfen. Der deutsche Kollektorabsatz im November 2011 zeigte jedoch wieder nach oben, er lag um 41 Prozent höher als im Vergleich zum Vorjahresmonat. Auch der 5-Jahres-Durchschnitt wurde nach oben durchbrochen. Die Gründe für den Marktrückgang der letzten beiden Jahre sind vielfältig, der mangelnde Solarertrag ist allerdings nicht Grund der Kaufzurückhaltung, wie sie in ihrem Artikel vermuten. Der laufend steigende Solarertrag durch Systemverbesserungen wird von der Quadratmeter-Förderung nicht honoriert, da haben sie recht. Daraus abzuleiten, dass “Flachkollektoren die grösste Mühe haben, 65 Grad Celsius in den Speicher zu bringen” ist jedoch absurd. Das zunehmende Problem thermischer Solaranlagen ist nicht zu wenig, sondern zu viel Temperatur an sonnenreichen Tagen, die sogenannte Stagnation. Das gilt für Österreich genauso wie für Deutschland und die Schweiz. Solaranlagen zur Heizungsunterstützung liefern übers Jahr mehr als 300 Kilowattstunden Sonnenenergie pro Quadratmeter, wie eine aktuelle Messung von zehn Solar-Kombianlagen für Warmwasser und Heizung in Österreich zeigt. Weitere 99 Solar-Kombianlagen in der steirischen Region Weiz-Gleisdorf zeigten, dass die gemessenen Werte mit den simulierten aus der Planung weitgehend übereinstimmen. Bei Technik und Ertrag den Vakuumröhrenmarkt in China als Vergleich für den Flachkollektormarkt in Europa heranzuziehen ist ebenfalls absurd. Die meisten Solaranlagen in China kosten ein paar hundert Euro, werden in Shops gekauft, mitgenommen und zuhause installiert. Die Billiganlagen funktionieren nach dem Schwerkraftprinzip, liefern nur Warmwasser wenn die Sonne scheint und sind nach ein paar Jahren kaputt. Der europäische Weg sind Qualitätsanlagen mit Prüfzertifikaten, die mindestens 20 Jahre lang problemlos hohe Erträge erzielen. Die Qualität mit einer Wärmeprämie statt Quadratmeter-Förderung zu belohnen, wie von Rolf Meißner von Ritter XL im Artikel vorgeschlagen, ist sicherlich ein guter Weg. Im wesentlichen bringt es aber Stefan Söhnle vom deutschen Bundesumweltministerium auf den Punkt: schlägt man die volkswirtschaftlichen Kosten von 70 Euro je Tonne Kohlendioxid auf die fossilen Brennstoffpreise, dreht sich der Markt sofort in Richtung CO2-freie Energieträger. Solarenergie kommt der Gesellschaft dann einfach billiger.

Wir möchten hier auch eine Diskussionsplattform zu diesem sehr brisanten Thema bieten und freuen uns über Ihre Meinungen zum Artikel im Kommentarfeld. Zahlen und Fakten zu Solarwärmeanlagen findet man übrigens hier.