Der World Energy Outlook 2012 der Internationalen Energieagentur IEA vermittelt fast diesen Eindruck. Der Chefökonom der IEA, Fatih Birol, präsentierte ihn am 14. November 2012 im Redoutensaal der Wiener Hofburg. Fazit: in den nächsten 20 Jahren findet ein totaler Wandel der weltweiten Energielandschaft statt.
Atomkraft hat nach Fukushima weltweit ausgedient, die neuen Sicherheitsstandards werden Atomstrom einfach zu teuer machen. Dafür erleben Öl und Gas einen neuen Aufschwung, vor allem durch die Förderung von Schiefergas und Light-Tight-Öl in Kanada und den USA. Mittlerweile kehren energieintensive Betriebe in die USA zurück, weil Gas dort nur ein Fünftel von dem kostet, was man in Europa zahlt. In 5 Jahren wird die USA Saudi-Arabien als größter Ölförderer der Welt ablösen. In 20 Jahren ist die USA energieautark und versorgt sich mit Öl und Gas komplett selbst. Das hat weltweite Auswirkungen. Die nicht benötigte Kohle wird günstig nach Europa verkauft, wo sie wegen des Atomausstiegs zur Stromerzeugung verheizt wird. Im Nahen Osten wird die USA keine Kriege mehr führen, wenn sie von den Ölvorkommen unabhängig wird. Die IEA geht davon aus, dass China die Rolle der USA übernimmt und sich im Nahen Osten engagiert um seine Ölversorgung zu sichern.
Das alles führt zu mehr und mehr CO2-Emissionen. Heuer erreichen sie wieder einen Rekordwert und es wird weitergehen. Wie Fatih Birol berichtet bläst den Erneuerbaren weltweit ein scharfer Wind ins Gesicht, viele Regierungen denken angesichts von Sparprogrammen daran Subventionen zu kürzen. Dabei werden für fossile Energie sechsmal (!) mehr Subventionen bezahlt als für Erneuerbare, im Jahr 2011 sogar um 30 Prozent mehr als 2010!
Die Präsentation von Fatih Birol zeigte das Problem, in dem wir feststecken. Zuerst sieht man welche Welt die nächsten 20 Jahre auf uns zukommt, dann sieht man: das darf nicht geschehen, wenn wir das 2 ° C Ziel Erderwärmung einhalten wollen. Dieser Widerspruch bleibt schließlich im Raum stehen, die einzige Antwort ist eine Energieeffizienzoffensive, um uns noch 5 Jahre mehr Zeit zu geben, das Ruder herumzureißen. Fatih Birol war jedoch wenig optimistisch: “Unsere Analyse zeigt, dass zwei Drittel der bis 2035 ökonomisch realisierbaren Effizienzverbesserungen ungenützt bleiben werden.”
Die Erneuerbaren spielen in den nächsten 20 Jahren zwar eine wichtige Rolle, können laut IEA den Zug der Zeit in ein verlängertes fossiles Zeitalter aber nicht aufhalten. Das macht deutlich, dass wir die Zukunft nicht der etablierten Energiewirtschaft überlassen dürfen! Erneuerbare Energie ist in den meisten Ländern dieser Erde die größte heimische Energiequelle, die noch dazu in Summe die günstigste ist (ein Sechstel der Subventionen von Fossilen!). Hören wir auf, der Sonne den Rücken zu kehren und unter der Erde nach Lösungen zu graben!
Ein führender Energieexperte, der bei der Präsentation dabei war, meinte: „Wenn man es zynisch sieht würde ich jetzt sagen: Gott sei Dank habe ich keine Kinder.“ Besser kann man nicht ausdrücken, dass hier was falsch läuft!!
Bildquelle: http://news.charlesayoub.com, http://bernetblog.ch




