Solarwärme im Gespräch mit Doris Hammermüller, der neuen Geschäftsführerin des Verbands Austria Solar

 

Doris Hammermüller M.A. (c)Renate Fuchs

1.Welchen persönlichen Bezug haben Sie zur Solarthermie?

 Ich hab schon als Kind zu Zeiten der beiden Ölkrisen von Solarwärme gehört. Als ich mir 1991 mein Haus gekauft habe, war Solarwärme aus diesem Grund  im Zuge der Gesamtsanierung des Hauses ein interessantes Thema für mich. Als ausgebildete Sozialarbeiterin bin ich erfreulicher Weise über die Arbeitsgemeinschaft Erneuerbare Energie gestolpert und hab meine Solaranlage mit den Selbstbaugruppen der AEE gebaut habe. Das war eine super Sache, da ich damit ja gleich voll den Durchblick gehabt habe, wie so was funktioniert. Die Erfahrung hat dann gleich mein ganzes Leben revolutioniert und ich habe von der weiblich Sozialarbeit in die männliche Erneuerbare Energie-Szene gewechselt. Die Gratiswärme von der Sonne begeistert mich bis heute!

 2. Wie sind Sie generell auf das Thema Erneuerbare Energien gekommen?  

Ich mag Verschwendung und Abhängigkeit nicht – Ich bin mit meiner Großmutter aufgewachsen, die natürlich den Zweiten Weltkrieg erlebt hat. Von ihr habe ich mir abgeschaut, dass fast alles was da ist, auch genutzt werden sollte und vieles noch einen Wert hat.

Die potentiellen Gefahren des Klimawandels haben mich schon in den 80er Jahren unruhig gemacht. Die Sanierung meines Hauses hat mich vor die Aufgabe gestellt, zu entscheiden, wie viel und wie ich überhaupt heizen will. (Passivhaus war damals noch kein Thema); also war Solarwärme die beste Option emissionsfrei und kostengünstig zu Heizen. 

3. Frauen in der Erneuerbaren Energie sind eher die Ausnahme als die Regel. Woran liegt das?

 Ich fürchte, Frauen trauen sich das immer noch zu wenig zu, da mitzureden und mitzumischen. Mädchen werden als kleine Kinder noch immer nicht an die Technik herangeführt, das drückt sich in einem späteren schwachen Selbstwert in diesem Bereich aus. Und obwohl ich mein Haus selbst saniert und meine Solaranlage selbst gebaut habe – und immer schon sehr genau gewusst habe, was ich richtig finde, habe ich zwei Jahrzehnte gebraucht, bis ich mir sicher genug war, meine Erfahrungen und Erkenntnisse auch gelernten Technikern gegenüber standhaft zu vertretetn. 

Ich find das sehr schade, denn gerade Frauen haben oft einen erfrischend pragmatischen Zugang und ein großes Interesse an Erneuerbarer Energie.

4. Wie wird sich Österreich in Zukunft im Bezug auf Energieautarkie geben?

Ja wenn ich das wüsste….. noch sieht es so aus, als ob wir auf die wirklich notwendigen Veränderungen warten müssten, was schade ist. Umso früher wir engagiert den Umbau in die Wege leiten, desto schneller können unsere Wirtschaft und unsere Umwelt von den lange überfälligen Ergebnissen profitieren. 

5. Nutzen Sie Erneuerbare Energien in Ihrem Haushalt?

Ganz viel aktive und passive Solarwärme und Holz. Und wie ich aus eigener Erfahrung seit jetzt 21 Jahren sagen kann: Solarwärme im Heizungsbereich rechnet sich immer!

6. Die Solarthermie in Österreich, eine Branche, die es schon seit Jahrzehnten gibt, hat strukturelle und Absatzprobleme. Wie glauben Sie, dass es weiter gehen wird?

 Energie- und klimapolitisch ist klar, dass die emissionsfreie und regional verfügbare solar erzeugte Wärme ein wichtiges Standbein des zukünftigen Energiesystems sein wird.     Die lang erprobte Technologiesparte, in der Österreich über viele Jahre Weltmarktführer war, wird in Zukunft bis zu 20% unserer Wärme liefern. Solarwärme im Heizungsbereich rechnet sich immer!

Was es dringend braucht, ist ein stabiles Ausbauszenario, das es erlaubt, die sonnvollen und realistischen Ziele auch umzusetzen. Solarwärme wird aus praktischen Gründen sehr oft parallel mit anderen Sanierungsmaßnahmen, wie einer Heizkessel- oder Dacherneuerung, installiert. Deshalb braucht sie zum sinnvollen Ausbau im Raumwärmebereich ein ganz massives Anreizsystem, das parallel zu Sanierungsmaßnahmen wirksam wird, da bauliche Maßnahmen meist nur ein kurzes Zeitfenster haben. Wenn dieses verpasst wird, sind meist zwei Jahrzehnte verloren.

7. Was kann die Solarthermie cool machen?

Solarenergie ist heiß – manchmal zu heiß! Wer´s ausprobiert hat, weiß das!

 8. Haben Sie einen Wunsch für die Zukunft der Branche?

Ja – Ich sehe eine österreichische Solarindustrie vor mir, die rasch und kompetent technische Lösungen für die neuen, unterschiedlichen Einsatzbereiche, wie

  • Wärmenetze
  • Solarwärme-Kombikessel für Ein- und Mehrfamilienhäuser
  • Reinigungsanlagen aller Art
  • Und bestimmt noch Vieles mehr

gemeinsam mit den jeweiligen FachexpertInnen entwickelt.

9. Und für die Zukunft von Österreichs Energielandschaft?  

Wenn Sie mich so fragen – Da sehe ich erst mal symbolisch Österreichs sonnige Wälder! – die stehen bleiben können, weil wir in immer mehr PlusEnergieHäusern wohnen werden, Solar heizen, in Bauteilen die Wärme speichern,…

Die Erneuerbare Stromproduktion hat die Oberhand gewonnen und geht einen gesunden Ausbauweg parallel mit dem Naturschutz.  

Und natürlich bewegen wir uns stetig in Richtung Erneuerbarer Energie – Die Vielfallt der Systeme sollte mit ihren jeweiligen Stärken genützt werden – Energie ist kostbar, wenn sie schadstofffrei produziert wird, dann kann sie nicht zu viel werden. Viel Energie macht uns reich- wenn sie nicht unsere Lebensgrundlagen zerstört.

 10. Wo sehen Sie sich selbst in zehn Jahren?

  • auf meinem energieautarken Bauernhof!
  • die Nachbarn im Sommer an meine Solarwärmeanlage angeschlossen
  • und vielleicht machen wir dann noch eine dörfliche Biogasanlage.

 

 

Roadmap für den Solarwärme-Erfolg

Um ein Ziel zu erreichen, muss man die Wege kennen, die zu diesem führen. Um die Wege zu finden, bedarf es einer Karte. Für die Solarthermie ist das die Roadmap Solarwärme 2020.

Quelle: Sunmark, Silkeborg Hospital

Ziel der Veranstaltung am 13.6.2013 war es, diese Roadmap auf den neuesten Stand zu bringen. Wo sind die breitesten Wege, sprich Hauptmärkte, zu finden? Was müssen wir tun, um sie in den nächsten Jahren mutig zu beschreiten?

 

 

Die Wege sind gesäumt von Gesetzen und Konkurrenten am Wärmemarkt, wie von Christian Frank von AEE Intec und Roger Hackstock von Austria Solar kurz zusammengefasst wurde. Der Gastgeber FFG und Vertreter von drei Ministerien erläuterten die Bedeutung der Roadmap für die Erneuerbaren Energie Ziele der Bundesregierung. Die Hauptwege der nächsten Jahre wurden in folgende Hauptmärkte eingeteilt:

  • Nachrüstung in Bestandsgebäuden (Massenmarkt)
  • Großanlagen
  • Export

Die Veranstaltung der Österreichischen Technologieplattform ASTTP war gut besucht, rund 30 Vertreter von Produktionsfirmen, Forschungs- und Entwicklungsstellen, Ministerien und Stake Holder fanden sich ein, um im Rahmen eines Workshops die Kernfragen für die Aktualisierung der Roadmap zu beantworten.

  • Was kann die Branche selbst für den Erfolg auf den Hauptmärkten tun?
  • Wen (Partner) bzw. was (Gesetze) benötigt die Branche dafür?
  • Was ist die konkrete Vorgehensweise, was sind die nächsten Schritte?

    Statements zur Aufgabenstellung durch Stake Holder (c) Renate Fuchs

Die Sammlung und Präsentation der Antworten zu der Aufgabenstellung lieferte ein breites Spektrum an Ideen, die intensiv diskutiert wurden.

Präsentation und Diskussion (c) Renate Fuchs

Zum Schluss wurden Zusammenhänge und Gemeinsamkeiten der Ergebnisse diskutiert, der rote Faden durch alle drei Hauptmärkte zeigte:

  • Solarwärme muss ständig im Bewusstsein potenzieller Kunden und Investoren präsent gehalten werden.
  • Kostensenkungen beim Endkunden sind in allen Hauptmärkten unumgänglich
  • Alle Marktsegmente brauchen eine aktive Marktbearbeitung mit verkaufsaktiven Partnern
  • Die Komplexität muss weiter reduziert, die Bedienerfreundlichkeit erhöht werden

Die Ergebnisse des Workshops werden von der AEE Intec in die Aktualisierung der Roadmap Solarwärme 2020 eingearbeitet. Beim nächsten Workshop der ASTTP im Herbst 2013 werden die ersten Wege und Beschilderungen am Weg zum Ziel präsentiert, wie der Solarwärmemarkt wieder in Schwung gebracht werden kann.

Europäischer Tag der Sonne kehrt an seinen Ursprung zurück

Logo European Solar Days (c) ESTIF

Im Jahr 2002 hatte der Verband Austria Solar die Idee, Solarwärme durch eine Reihe von Veranstaltungen überall in Österreich bekannt zu machen. Der Tag der Sonne war geboren, der erste fand am 24. Mai 2002 statt. Schulen, Universitäten, Betriebe, Gemeinden, Energieagenturen und viele andere Organisationen zeigten an diesem Festtag der Sonne, welche enorme Energiemenge uns Tag für Tag kostenlos von der Sonne geschenkt wird und wie wir sie für Wärmezwecke nutzen können.

Die Idee machte Schule, nach zwei Jahren (2004) übernahm die Schweiz das Konzept, zwei Jahre später (2006) Deutschland. Mit einem EU-Projekt im Programm Intelligent Energy Europe gelang 2008 die Ausweitung auf 8 Länder. Dann ging es rasant, jedes Jahr kamen neue Länder hinzu. Mittlerweile feiern 19 Staaten Jahr für Jahr Anfang Mai den Europäischen Tag der Sonne.

ESTIF, der europäische Solarindustrieverband, lud auch heuer wieder zu einer Konferenz der KoordinatorInnen des Europäischen Tag der Sonne ein. Am 19. und 20. November 2012 trafen sich 25 TeilnehmerInnen aus 15 Ländern, diesmal im Ursprungsland der erfolgreichen Solar-Bewegung: in Österreich. Natürlich war auch Austria Solar als „Spiritus Rector“ des Tag der Sonne bei der Konferenz in Wien dabei. Nicht zufällig trafen sich die Solar-Experten im Hotel Wilhelmshof, wo sie die zweitgrösste Hotel-Solarwärmeanlage Wiens besichtigen konnten.

Eindrücke von der European Solar Days Konferenz (c)Renate Fuchs

Roger Hackstock, Geschäftsführer von Austria Solar und Renate Fuchs als Verantwortliche für den Tag der Sonne in Österreich waren dabei und berichteten von ihren Erfahrungen und was für 2013 geplant ist. Der Austausch der anwesenden Solar-Experten von Ukraine bis Portugal, von Norwegen bis Italien war lebhaft und interessant - einige haben langjährige Erfahrung, andere sind erst seit wenigen Jahren dabei. Die landesspezifischen Unterschiede machen den Tag der Sonne in jedem Land zu einem neuen Abenteuer in Sachen soziales Marketing. Was aber alle eint, ist der Wille das kostenlose Energiegeschenk der Sonne den Menschen näher zu bringen.

Die Vorbereitung der 6. European Solar Days von 1. bis 19. Mai 2013 ist in allen Ländern bereits im Laufen, auch bei uns findet die Aktion wieder am 3. und 4. Mai 2013 statt. Wir freuen uns schon darauf und auf den Austausch bei der nächsten Konferenz!

Auf jeden Fall den Termin schon mal vormerken:

Tag der Sonne 2013 (c) Renate Fuchs

Solarwärme – was hinter der Mauer kommt, die es zu überwinden gilt

(c) Renate Fuchs

Wenn man vor einem Hindernis steht, hat man zwei Möglichkeiten.

1. Man wendet die bewährten Methoden an, um das Hindernis zu überwinden, selbst wenn man damit vielleicht nicht erfolgreich ist.

2. Man stellt die Methoden in Frage und sucht nach neuen Wegen, um über das Hindernis zu kommen.

 

 

Die Solarwärme Technologieplattform ASTTP lud am 17. Oktober 2012 zu einem Workshop um die zweite Möglichkeit auszuloten. Rund 25 Teilnehmer suchten nach neuen Wegen, um der Solarwärme künftig zum Durchbruch zu verhelfen. Der Einladung war eine bunte Gruppe aus verschiedenen Richtungen gefolgt, von Solarfirmen über Forscher bis zu Vertretern von Ministerien und Landesregierung.

Bei früheren ASTTP-Veranstaltungen waren die Teilnehmer gewohnt, in Vorträgen über Neuerungen informiert zu werden. Diesmal wurde eine andere Arbeitsweise gewählt - ganz ohne Power Point. Die Teilnehmer selbst begaben sich auf die Suche nach neuen Wegen, um Solarwärme aus drei Blickwinkeln voranzubringen:

** Solarwärme anders verordnen
** Solarwärme anders fördern
** Solarwärme anders finanzieren

Teamarbeiten (c) Renate Fuchs

Wolfgang Jilek (Landesenergiebeauftragter Stmk), Gernot Wörther (Klima- und Energiefonds) und Georg Günsberg (Berater der Wiener Stadtregierung in Sachen Erneuerbare Energien) übernahmen die Rolle von Mentoren für je einen Blickwinkel. Gemeinsam mit der Gruppe erarbeiteten sie verschiedene Ideen und Wege, wie man Solarwärme künftig anders fordern, fördern und finanzieren könnte.

Nach der Präsentation der Gruppenergebnisse wurden diese hinsichtlich Effektivität und Realisierbarkeit von den drei Mentoren kommentiert.

Präsentation und Mentorenstatement (c) Renate Fuchs

Die Reaktionen auf die Workshop-Ergebnisse aus der Gruppe waren unterschiedlich, es gab spannende Diskussionen. Die emotionale Wirkung des Workshops war aber eindeutig: Man muss weg von alten Schienen und neue Wege einschlagen, um bei Solarwärme weiter zu kommen. Den ersten Schritt sind wir beim Workshop gegangen, weitere werden folgen.

Wenn Austria Solar es groß anlegt….

Die Teilnehmer des Workshops “Solare Großanlagen” (c)Renate Fuchs

Solarwärmeanlagen im Einfamilienhaus sind der Klassiker. Dass man Solarwärme auch weit darüber hinaus in Form von Großanlagen nutzen kann, ist noch zu wenig bekannt. Austria Solar und der Klima- und Energiefonds luden daher am 11.9.2012 eine branchenübergreifend bestückte Runde zu einem Großanlagen-Workshop ein.

Vertreter vieler Unternehmen und Organisationen engagierten sich gemeinsam zu dem Thema Solare Großanlagen (c)Renate Fuchs

Die Teilnehmerliste hätte nicht umfassender sein können: Vertreter von Solarwärme, Anlagenbau, Energieversorgern, Banken, Forschungsinstituten und Förderungsstellen fanden sich zur Diskussion der unterschiedlichen Aspekte von Großanlagen zusammen. Großanlagen haben eine Kollektorfläche von zumindest 500 m² und werden im Bereich der Fernwärmeversorgung, bei Industrieprozessen oder zur Klimatisierung von Gebäuden eingesetzt.

Die branchenübergreifende Mischung der Teilnehmer und die Art, wie das Thema aufgearbeitet wurde, ließ eine eigene Dynamik entstehen. Dabei wurde ein neues Veranstaltungskonzept erprobt, das bei den Teilnehmern maximale Lernprozesse bewirkt, den Austausch fördert und gänzlich ohne Power Point auskommt.

Auseinandersetzung mit dem Thema anhand einer bereits gebauten Anlage, sowie der Fragestellung eines konkreten Interessenten aus der Lebensmittelindustrie (c)Renate Fuchs

Gefordert wurden die Teilnehmer, als gegen Ende des Treffens eine Überraschung präsentiert wurde: in Form einer Videoeinspielung stellte ein Vertreter eines global tätigen Getränkeherstellers einen ganz konkreten Bedarf an Solarwärme für sein Unternehmen vor. Die Workshopteilnehmer hatten damit die Möglichkeit, an einem realen Beispiel branchenübergreifend über eine solarthermische Großanlage zu diskutieren. Es zeigte sich, dass bei solchen Projekten eine Zusammenarbeit der verschiedenen Branchen praktisch unabdingbar ist.

Der Workshop zeigte, dass nicht nur ein großer Bedarf nach Solaren Großanlagen besteht, sondern auch der Wille und die Kompetenz der Branche diesen zu decken. Der Solarwärme steht im wahrsten Sinne des Wortes Grosses bevor, wie es aussieht …

Der Film zum Solarfrühstück

Information und Meinungsbildung funktionieren am besten anhand realer, greifbarer Beispiele. Wenn die hautnahe Erfahrung noch dazu in so ansprechendem Rahmen wie dem Art-Hotel “Der Wilhelmshof” stattfindet, umso besser. Das dachten sich auch unsere Gäste, als Austria Solar am 13. Juni 2012 zum Solarfrühstück einlud. Nach einer interessanten Diskussion über die aktuelle Situation am Solarwärmemarkt nutzten die Gäste die Möglichkeit, die 156 Quadratmeter große Solaranlage am Dach des Gebäudes zu besichtigen.

Das Beste war: das Solarfrühstück fand an einem Regentag statt, die Solaranlage lief trotzdem! Die Kollektoren schickten 35 Grad warmes Wasser in den Speicher, die Gäste staunten nicht schlecht. Was sonst noch los war ist im Film zum Solarfrühstück zu sehen. Jetzt hier in unserem Blog.

Für alle die das Event verpasst haben: es wird eine Wiederholung geben! Einladung werden wir auf Twitter und Facebook bekannt geben. Am besten gleich folgen und liken!

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Gut gebrüllt, Austria Solar!

Cannes Lions 2012 (c) adweek.com

Der für Austria Solar von der Agentur Serviceplan designte Jahresbericht 2011 wurde in Cannes mit drei Löwen – Gold, Silber und Bronze - ausgezeichnet. Die Preise wurden in den Kategorien Direct  und Promo&Activation vergeben.

Dies sind nicht die ersten Preise, die Austria Solar und Serviceplan für den solaren Jahresbericht erhielten. Der Bericht hat bisher 12 x Gold, 3 x Silber und 2 x Bronze bei den wichtigsten internationalen Werbepreisen gewonnen.  Doch der  Goldene Löwe von Cannes ist der Oscar der Kreativen, die höchste Auszeichnung die es weltweit gibt. Ich freue mich darüber, dass die mutige Entscheidung, den Geschäftsbericht so gestalten zu lassen, derart belohnt wurde!

Roger Hackstock, Geschäftsführer von Austria Solar mit dem Jahresbericht (c) Laurent Mekul

Was ist so besonders an dem Jahresbericht?
Schlägt man ihn in einem Raum bei Kunstlicht auf, sind nur weiße Seiten zu sehen.
Fallen jedoch direkte Sonnenstrahlen auf das Papier, erscheinen Texte und Grafiken. Erst die Sonne bringt die Leistungen von Austria Solar im Jahr 2011 zum Vorschein. Passender kann ein Jahresbericht für den Verband der Solarwärme-Unternehmen Österreichs nicht gestaltet sein!

Hier das VIDEO, wie der wundersame sonnengesteuerte Bericht aussieht und funktioniert!

Somit möchte ich sagen: Cannes hat nach Peter Hanekes Erfolg als Regisseur und diesem Erfolg einer österreichischen Organisation heuer  die Österreicher in Gold aufgewogen!

Neue Kraft für die Sonne

Ich möchte die Gelegenheit nutzen und mich hier kurz vorstellen, als neue Mitarbeiterin des Verbandes Austria Solar, aber auch als Mit-Autorin dieses Blogs.

Mein Name ist Renate Fuchs, ich bin diplomierte Elektrotechnikerin für den Bereich Erneuerbare Energien.

Nach einer langen Berufstätigkeit im Finanzbereich habe ich mich, getrieben von dem Wunsch nach Nachhaltigkeit und Sicherung einer lebenswerten Zukunft, entschlossen, einen für mich neuen Weg zu gehen und eine Ausbildung im Bereich Erneuerbare Energien zu machen.
Diese hat mich schließlich zum Verband Austria Solar geführt und seit 1.Juni 2012 bin ich hier als Assistentin der Geschäftsführung tätig.
Ich freue mich darauf, in dieser Funktion  hier in unserem Blog über interessante, diskutierenswerte und mitunter vielleicht auch provokante Themen zu schreiben, aber auch meine persönlichen Eindrücke und Erfahrungen zu schildern, in der gewohnt hochqualitativen Form der bisherigen Artikel.

Am Dach des Hotels "Der Wilhelmshof" (c) Renate Fuchs

Seven Steps to Heaven – denn am Dach ist die Solaranlage

 

Impressionen vom Solarfrühstück im Hotel “Der Wilhelmshof” am 13.6.2012

Austria Solar lud zum Frühstück, zum Solar-Frühstück. Und zwar nicht irgendwo, sondern im „Der Wilhelmshof“ (Hyperlink), einem wunderbar gestalteten Hotel im 2. Wiener Gemeindebezirk und gleichzeitig einem Paradebeispiel zu Nutzung Solarer Wärme mittels Großanlage in einem Beherbergungsunternehmen.

Impressionen vom Frühstück (c) Renate Fuchs

Roger Hackstock, Geschäftsführer von Austria Solar und Christian Mayrhofer, Direktor des Wilhelmshof nahmen die Gäste, eine bunte Mischung aus Interessensvertretern, Journalisten, Forschungs- und Entwicklungsunternehmen und innovativen Unternehmern in Empfang.

Zu Beginn präsentierte Roger Hackstock  die aktuelle Lage der Solarwärme in Österreich, mit einem Ausblick auf Potenziale, zukünftige Entwicklungen und mögliche Konkurrenzsituationen auf internationaler Ebene. Weitere Informationen sind hier zu finden.

Präsentation aktueller Informationen (c) Renate Fuchs

Ein großer Vorteil der Solaren Wärme ist nach wie vor die Unabhängigkeit von Ressourcen, was sie gegenüber konventionellen Technologien hervorhebt: Geeignete Dach- und sonstige Freiflächen sind in Österreich in mehr als ausreichender Zahl vorhanden.

 Sicher wird in Zukunft die Konkurrenz aus China für die einheimischen Produzenten, aber auch für die Installateure und für die Kunden selbst, Änderungen bringen. Schon jetzt werden in China selbst jedes Jahr genau so viele Kollektoren wie in ganz Europa insgesamt vorhanden sind.

 Um in Zukunft die Solare Wärme noch attraktiver zu machen, ist es notwendig vor allem in die Speichertechnologie zu investieren. Durch sie wird es ermöglicht, im Sommer „eingesammelte“ Wärme im Winterhalbjahr zu verwerten, sei es durch Bauteilaktivierung, Wärmepumpen oder durch chemisch gespeicherte Wärme z.B. in Form von Silikagel.

 Beim gemeinsamen Frühstück am reichhaltigen Büffet des Wilhelmshof ergab sich dann für uns die Möglichkeit zum Austausch über die aktuellen Themen aus den Bereichen der Solarwärme, aber auch zum Knüpfen branchenübergreifender Kontakte.

Anschließend wurde „auf’s Dach“ gebeten, um einmal die Gelegenheit zu nutzen, eine große Anlage an so einem prominenten Standort auch mal real zu sehen. Und zum Glück hatte der Wettergott, der seine schlechte Laune in den letzten Tagen ausreichend ausgelebt hat, mit uns ein einsehen, beendete den Regen und sorgte sogar für einige Sonnenstrahlen.

 Sieben Etagen höher, die wir zu Fuß gingen um die künstlerisch auffallend schöne Innengestaltung des Hotels (Mott “Seven Steps to Heaven”) bewundern zu können,  auf dem südseitigen Trakt des Hotels, empfing uns nicht nur eine tolle Aussicht, sondern auch eine spürbar trotz wechselhaftem Wetter in Betrieb befindliche Solaranlage.

Besichtigung der Solaranlage (c) Renate Fuchs

Weiter ging’s in den Keller, wo wir die Gelegenheit hatten, die Speicher- und Steuerungsanlagen zu besichtigen. Hier bestätigte sich uns der Eindruck, dass auch bei eher wolkenreichem Himmel genügend Sonneneinstrahlung eingefangen wird, um zumindest 35 Grad Wärme zu liefen.

 Die Anlage mit 156 m² Kollektorfläche und  6.000 Liter Speicher liefert übers Jahr 45% des Warmwassers für die Hotelzimmer, die Küche und die Wäscherei.

 Vom Keller zurück ging es dann wieder ans Tageslicht, denn die Sonne war mittlerweile deutlich kräftiger und versorgte – kostenlos – die Hotelanlage mit ihrer Energie.

 Das Hotel „Der Wilhelmshof“ und die Solare Wärme – zwei kongeniale Partner im Sinne von Nachhaltigkeit und Erneuerbarer Energie.

 PS: Demnächst hier zu sehen: Der Film zum Solarfrühstück!

 

Solarwärme im Gespräch mit AEE Chef Werner Weiss

Werner Weiss - Geschäftsführer der AEE Intec

Wir freuen uns sehr, heute einen der echten Insider der Solarwärmebranche bei unserer Serie “Solarwärme im Gespräch” interviewen zu dürfen. Es war sehr schwierig den international gefragten Experten Werner Weiss “vor den Vorhang” zu holen, aber wir haben es geschafft. Er ist Geschäftsführer der AEE - Institut für Nachhaltige Technologien welche sich mit der Erforschung der naturwissenschaftlich-technischen Grundlagen der thermischen Solarenergienutzung beschäftigt. Auf der Website sind alle Projekte zu sehen und auch spannende Studien wie “Potenzial der Solarthermie in Europa” runterzuladen. Es wurden ähnliche Fragen wie schon in den vorangegangen Interviews mit Bernd Vogl und Robert Kanduth gestellt, damit die Antworten vergleichbarer sind.

1. Herr Weiss, Österreich ist und war ein führendes Land in Sachen Solarthermie. Trotzdem hat man das Gefühl, dass alle Welt nur mehr über Photovoltaik spricht, woran könnte das liegen?

 Historisch betrachtet lag die Solarthermie in den vergangenen 20 Jahren immer weit vor der Photovoltaik. Weltweit sind 245 GW an solarthermischer Leistung installiert, während die Photovoltaik bei nur 67 GW liegt. Wenn man allerdings die Dynamik der beiden Märkte vergleicht, so hat sich in den vergangenen 5 Jahren vor allem in Europa sehr viel verändert. Die Photovoltaik boomt und holt rasant auf, während die Solarthermie stagniert oder rückläufig ist.

In Österreich stieg die installierte Photovoltaikleistung im Jahr 2011 im Vergleich zum Jahr 2010 um 95%. Der mittlere Systempreis ist vom Jahr 2010 auf das Jahr 2011 von 4.216 Euro/kWpeak auf 3.579 Euro/kWpeak – das heißt, um 15% in einem Jahr– gesunken.

Derartige Lernkurven fehlen bei der Solarthermie. Die Systempreise sind mit rund 1.000 Euro/kW seit zehn Jahren nahezu unverändert. Diese Entwicklung hat bei privaten Investoren zu einer Preis- wie auch Flächenkonkurrenz auf den Dächern geführt.

D.h. wenn es nicht gelingt, die Preise der Solarthermie signifikant zu senken, werden die kommenden Jahre schwierig.

2. Sie beschäftigen sich sehr stark mit dem Thema Heizen und Kühlen, wo sind die Potentiale der Solarwärme langfristig in Österreich und der Welt?

Die langfristigen Potenziale der Solarthermie liegen aus meiner Sicht im Wohngebäudebereich bei Gesamtlösungen – d.h. bei Hybridsystemen, die den gesamten Wärme- und Kühlbedarf zu 100% decken. Die Solarthermie darf, wenn sie langfristig bestehen will, kein „add-on“ zu einem konventionellen Heizsystem sein, das nur 10 oder 20% des Gesamtwärmebedarfs deckt.

Kurzfristige Lösungen können Hybridsysteme bestehend aus Solarthermie und Wärmepumpen oder Solarthermie und Gasbrennwerttechnik sein, wobei die Solarthermie mehr als 50% des Wärmebedarfs decken muss. Längerfristig müssen solarthermische Systeme in Kombination mit kompakten Speichern mit hohen Energiedichten 100% decken können.

Weitere große Potenziale sehe ich im Großanlagenbereich. Das sind Anlagen für industrielle Prozesswärme sowie bei der Einspeisung von Solarwärme in Nah- und Fernwärmesysteme.

3. Welche Rahmenbedingungen bräuchte die Solarwärme in Österreich oder der EU um einen Schub nach vorne zu bekommen.

Aus meiner Sicht müssten die derzeitigen innovationshemmenden Förderungen durch ertrags- und deckungsgradabhängige Förderinstrumente ersetzt werden. Weiters wären ordnungspolitische Maßnahmen wie zB. Verpflichtungen in einigen Bereichen wünschenswert.

4. Wenn Sie ein Haus bauen würden, welches Heizsystem würden Sie einbauen und welchen Ratschlag können Sie Menschen und Unternehmen geben, die vor einer Entscheidung im Wärmebereich stehen?

Derzeit würde ich einem solaren Heizsystem in Kombination mit einer Biomasseheizung den Vorzug geben.

Grundsätzlich ist es sinnvoll, den Heizwärmebedarf durch geeignete Dämmmaßnahmen auf ein möglichst geringes Maß zu reduzieren. Dieser geringe Bedarf sollte dann über erneuerbare Energien – vorzugsweise Solarthermie – gedeckt werden.

5. In welchen Unternehmen wäre der Einsatz von Solarwärmesystemen sinnvoll, was sollte man dabei beachten?

Unternehmen mit sehr großem Potenzial sehe ich in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie sowie bei der Metalloberflächenindustrie (Galvanik), da nahezu alle Prozesse dieser Unternehmen unter 100°C ablaufen. Um dieses Potenzial zu öffnen ist es allerdings erforderlich, das Wärmeversorgungsystem der Betriebe an solarthermische Anforderungen anzupassen.

6. Wie können städtische Wärmesysteme in ein erneuerbares Zeitalter gebracht werden?

Durch die intelligente Integration von Solarthermie in städtische Fernwärmesysteme. Diese Systeme müssen mittelfristig sowohl Wärme- wie auch Stromnetze kombinieren indem beispielsweise thermische Speicher für die Solarthermie aber auch für die Abwärme aus KWK Anlagen oder für kurzfristige Überschüsse aus PV oder Windstrom genutzt werden.

Die Senkung von Netztemperaturen sowie solare Wärmegestehungskosten in der Größenordnung von 20 – 30 Euro/MWh sind weitere Voraussetzungen für eine breite Anwendung.

7. Wenn Sie sich für die Energiezukunft Österreichs etwas wünschen dürften, was wäre das?

Eine mutige und zukunftsorientierte Energiepolitik, welche die Rahmenbedingungen für einen raschen Umbau unsers Energiesystems schafft.

Weitere Interviews aus der Serie “Solarwärme im Gespräch”