Solarwärme im Gespräch mit Energieminister Mitterlehner

Bundesminister Reinhold Mitterlehner bei Solarwärme im Gespräch

Wir setzen nun unserer Interviewserie, nach Stimmen aus der Stadtverwaltung (Bernd Vogl), der Solarindustrie (Robert Kanduth) und der Forschung (Werner Weiss), mit der hohen Politik fort. Wirtschafts- und Energieminister Reinhold Mitterlehner hat mit uns über Solarwärme in Österreich gesprochen. Es wurden allen Interviewpartnern dieselben Fragen gestellt. Solarwärme aus verschiedenen Blickwinkeln – es empfiehlt sich alle Interviews zu lesen! Hier die Antworten von Minister Mitterlehner:

1. Österreich war und ist ein weltweit führendes Land in Sachen Solarwärme. Trotzdem hat man das Gefühl, dass alle Welt nur mehr über Photovoltaik spricht. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Photovoltaik ist eine moderne Technologie, die in der Öffentlichkeit seit jeher einen hohen und positiv besetzten Stellenwert hat. Aktuell haben die vor allem in Europa geführten Energiewende-Diskussionen nach der Nuklearkatastrophe in Fukushima den Fokus auf die Stromerzeugung aus Sonnenenergie weiter erhöht. Mir ist wichtig, dass die Technologien nicht gegeneinander ausgespielt werden, sondern sich energetisch und kostenmäßig gut ergänzen.

2. Wie sehen Sie die Zukunft der Solarwärme in Österreich?

Jedenfalls positiv. Jeder Eigenheimbesitzer ist gut beraten, solche Anlagen zu installieren, wenn die Voraussetzungen dafür passen.

3. Im Jahr 2008 veröffentlichte der Umweltminister in Kooperation mit Ihnen und Ministerin Bures sowie dem Verband Austria Solar eine Solarwärme Roadmap 2020. Das Ziel ist bis zum Jahr 2020 rund 24 Millionen Quadratmeter Kollektoren zu installieren, die 10 Prozent des Wärmebedarfes von Gebäuden und Produktionsprozessen bis 250 Grad Celsius decken. Derzeit stehen wir bei knapp 5 Millionen Quadratmeter und es sind nur mehr 8 Jahre. Welche Maßnahmen sind geplant, um pro Jahr mehr als 2 Millionen Quadratmeter zu erreichen?

Österreich ist auf dem Gebiet der Solarthermie traditionell sehr gut aufgestellt. Laut Zahlen der Internationalen Energieagentur liegt Österreich bei der installierten Gesamtfläche pro Kopf auf dem hervorragenden dritten Platz. Der Trend geht also in die richtige Richtung. Für den weiteren Ausbau gibt es eine Reihe von Anreizen und Programmen der Bundesregierung, wie zum Beispiel einen 400 Euro Direktzuschuss für Solarwärmeanlagen vom Klimafonds oder bis zu 1.500 Euro pro thermischer Solaranlage im Rahmen des Sanierungsschecks. Beide Fördermodelle sind mit Landesförderungen kombinierbar. Ebenso besteht die Möglichkeit der steuerlichen Absetzbarkeit des Einbaus von Solaranlagen als Sonderausgabe mit 2.920 Euro jährlich. Die Überzeugung, dass sich eine Anlage mittelfristig rechnet, viele Jahre funktioniert und dabei einen wesentlicher Beitrag zur Ressourcenschonung, Versorgungssicherheit und zum Umweltschutz leistet, sollte eine hohe Motivation sein, in Solarthermie zu investieren. Gleichzeitig müssen Bauunternehmen und Architekten rechtzeitig eingebunden sein, um sowohl im Neubau als auch bei der Altbau-Sanierung die richtigen Akzente setzen zu können.

4. In Dänemark boomen Solarwärmeanlagen in Verbindung mit Nah- und Fernwärmenetzen, in den nächsten beiden Jahren wird der Bestand an Solarwärme-Biomasse-Netzen verdoppelt. Gibt es Pläne, diese Art der Wärmeversorgung auch in Österreich zu forcieren?

Dänemark ist mit Österreich nicht vergleichbar, jedoch sind auch bei uns zahlreiche neue Biomasseanlagen mit Nah- und Fernwärmenetzen entstanden. Die Einbindung von solarer Wärme in solche Anlagen bedarf aber einer erweiterten Anlagenkonzeption mit entsprechenden Wärmespeichern und Prozessleittechnik sowie vielen Quadratmetern an Kollektorfläche. Letztere können aber nicht überall realisiert werden, wobei diese Systeme angesichts der positiven internationalen Erfahrungen auch in Österreich verstärkt eingesetzt werden.

5. Ein großes Hindernis im Umbau der Energieversorgung in den Städten ist das Mietrecht. Es ist nicht so ausgelegt, dass Eigentümer oder Mieter dazu angehalten werden eine Dämmung vorzunehmen oder die Energieversorgung auf Solarenergie umzustellen. Gibt es Ideen, wie man dieses Dilemma lösen könnte? Was müsste passieren, damit mehr Eigentümer in Effizienz und Solarwärme investieren?

Das Mietrecht fällt leider nicht in unseren Zuständigkeitsbereich, deshalb kann ich dazu nichts sagen.

6. Wenn Sie sich für die Energiezukunft Österreichs etwas wünschen dürften, was wäre das?

Mein Ziel ist ein erneuerbares, effizientes und sicheres Energiesystem, das auch unseren Kindern und Kindeskindern eine saubere Energiezukunft ermöglicht.

 

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