Solarwärme im Gespräch mit Doris Hammermüller, der neuen Geschäftsführerin des Verbands Austria Solar

 

Doris Hammermüller M.A. (c)Renate Fuchs

1.Welchen persönlichen Bezug haben Sie zur Solarthermie?

 Ich hab schon als Kind zu Zeiten der beiden Ölkrisen von Solarwärme gehört. Als ich mir 1991 mein Haus gekauft habe, war Solarwärme aus diesem Grund  im Zuge der Gesamtsanierung des Hauses ein interessantes Thema für mich. Als ausgebildete Sozialarbeiterin bin ich erfreulicher Weise über die Arbeitsgemeinschaft Erneuerbare Energie gestolpert und hab meine Solaranlage mit den Selbstbaugruppen der AEE gebaut habe. Das war eine super Sache, da ich damit ja gleich voll den Durchblick gehabt habe, wie so was funktioniert. Die Erfahrung hat dann gleich mein ganzes Leben revolutioniert und ich habe von der weiblich Sozialarbeit in die männliche Erneuerbare Energie-Szene gewechselt. Die Gratiswärme von der Sonne begeistert mich bis heute!

 2. Wie sind Sie generell auf das Thema Erneuerbare Energien gekommen?  

Ich mag Verschwendung und Abhängigkeit nicht – Ich bin mit meiner Großmutter aufgewachsen, die natürlich den Zweiten Weltkrieg erlebt hat. Von ihr habe ich mir abgeschaut, dass fast alles was da ist, auch genutzt werden sollte und vieles noch einen Wert hat.

Die potentiellen Gefahren des Klimawandels haben mich schon in den 80er Jahren unruhig gemacht. Die Sanierung meines Hauses hat mich vor die Aufgabe gestellt, zu entscheiden, wie viel und wie ich überhaupt heizen will. (Passivhaus war damals noch kein Thema); also war Solarwärme die beste Option emissionsfrei und kostengünstig zu Heizen. 

3. Frauen in der Erneuerbaren Energie sind eher die Ausnahme als die Regel. Woran liegt das?

 Ich fürchte, Frauen trauen sich das immer noch zu wenig zu, da mitzureden und mitzumischen. Mädchen werden als kleine Kinder noch immer nicht an die Technik herangeführt, das drückt sich in einem späteren schwachen Selbstwert in diesem Bereich aus. Und obwohl ich mein Haus selbst saniert und meine Solaranlage selbst gebaut habe – und immer schon sehr genau gewusst habe, was ich richtig finde, habe ich zwei Jahrzehnte gebraucht, bis ich mir sicher genug war, meine Erfahrungen und Erkenntnisse auch gelernten Technikern gegenüber standhaft zu vertretetn. 

Ich find das sehr schade, denn gerade Frauen haben oft einen erfrischend pragmatischen Zugang und ein großes Interesse an Erneuerbarer Energie.

4. Wie wird sich Österreich in Zukunft im Bezug auf Energieautarkie geben?

Ja wenn ich das wüsste….. noch sieht es so aus, als ob wir auf die wirklich notwendigen Veränderungen warten müssten, was schade ist. Umso früher wir engagiert den Umbau in die Wege leiten, desto schneller können unsere Wirtschaft und unsere Umwelt von den lange überfälligen Ergebnissen profitieren. 

5. Nutzen Sie Erneuerbare Energien in Ihrem Haushalt?

Ganz viel aktive und passive Solarwärme und Holz. Und wie ich aus eigener Erfahrung seit jetzt 21 Jahren sagen kann: Solarwärme im Heizungsbereich rechnet sich immer!

6. Die Solarthermie in Österreich, eine Branche, die es schon seit Jahrzehnten gibt, hat strukturelle und Absatzprobleme. Wie glauben Sie, dass es weiter gehen wird?

 Energie- und klimapolitisch ist klar, dass die emissionsfreie und regional verfügbare solar erzeugte Wärme ein wichtiges Standbein des zukünftigen Energiesystems sein wird.     Die lang erprobte Technologiesparte, in der Österreich über viele Jahre Weltmarktführer war, wird in Zukunft bis zu 20% unserer Wärme liefern. Solarwärme im Heizungsbereich rechnet sich immer!

Was es dringend braucht, ist ein stabiles Ausbauszenario, das es erlaubt, die sonnvollen und realistischen Ziele auch umzusetzen. Solarwärme wird aus praktischen Gründen sehr oft parallel mit anderen Sanierungsmaßnahmen, wie einer Heizkessel- oder Dacherneuerung, installiert. Deshalb braucht sie zum sinnvollen Ausbau im Raumwärmebereich ein ganz massives Anreizsystem, das parallel zu Sanierungsmaßnahmen wirksam wird, da bauliche Maßnahmen meist nur ein kurzes Zeitfenster haben. Wenn dieses verpasst wird, sind meist zwei Jahrzehnte verloren.

7. Was kann die Solarthermie cool machen?

Solarenergie ist heiß – manchmal zu heiß! Wer´s ausprobiert hat, weiß das!

 8. Haben Sie einen Wunsch für die Zukunft der Branche?

Ja – Ich sehe eine österreichische Solarindustrie vor mir, die rasch und kompetent technische Lösungen für die neuen, unterschiedlichen Einsatzbereiche, wie

  • Wärmenetze
  • Solarwärme-Kombikessel für Ein- und Mehrfamilienhäuser
  • Reinigungsanlagen aller Art
  • Und bestimmt noch Vieles mehr

gemeinsam mit den jeweiligen FachexpertInnen entwickelt.

9. Und für die Zukunft von Österreichs Energielandschaft?  

Wenn Sie mich so fragen – Da sehe ich erst mal symbolisch Österreichs sonnige Wälder! – die stehen bleiben können, weil wir in immer mehr PlusEnergieHäusern wohnen werden, Solar heizen, in Bauteilen die Wärme speichern,…

Die Erneuerbare Stromproduktion hat die Oberhand gewonnen und geht einen gesunden Ausbauweg parallel mit dem Naturschutz.  

Und natürlich bewegen wir uns stetig in Richtung Erneuerbarer Energie – Die Vielfallt der Systeme sollte mit ihren jeweiligen Stärken genützt werden – Energie ist kostbar, wenn sie schadstofffrei produziert wird, dann kann sie nicht zu viel werden. Viel Energie macht uns reich- wenn sie nicht unsere Lebensgrundlagen zerstört.

 10. Wo sehen Sie sich selbst in zehn Jahren?

  • auf meinem energieautarken Bauernhof!
  • die Nachbarn im Sommer an meine Solarwärmeanlage angeschlossen
  • und vielleicht machen wir dann noch eine dörfliche Biogasanlage.

 

 

Solarwärme im Gespräch mit Roland Düringer

© Roland Düringer, Foto: Jeff Mangione

In der Reihe unserer Interviews zur aktuellen Lage und Zukunft von Solarwärme setzen wir mit dem österreichischen Kabarettisten, Schauspieler, Querdenker und Solaranlagenbesitzer Roland Düringer fort. Die bisherigen Interviewpartner  waren: Wr. Stadtverwaltung (Bernd Vogl), Solarindustrie (Robert Kanduth), Forschung (Werner Weiss), Bundespolitik (Reinhold Mitterlehner), FEM-Tech Expertin des Monats (Sabine Putz) und Großanlagenbau (Christian Holter). 

Herr Düringer, Sie haben sich eine thermische Solaranlage aufs Dach gelegt. Warum nicht Photovoltaik, die ja in aller Munde ist?

Weil es was anderes ist. Das eine macht Wärme, das andere macht Strom. Das ist, wie wenn Sie Fragen: warum haben Sie ein Auto und kein Motorrad. Ich hab ja auch eine Photovoltaik-Anlage.

Die war zuerst da?

Nein, die Photovoltaik-Anlage hab ich jetzt erst auf meinem neuen Haus. Da hab ich 28 Quadratmeter, mach mir meine Energie selber und bin autark.

Warum vorher die Solarthermie?

Ich hab damals ein großes Haus gebaut, mit allem Schnick-Schnack, einer Pelletsheizung, großen Glasflächen und eben der Solarwärmeanlage. Dass Sonnenenergie die einzige Energie ist, die es gibt, war mir sowieso immer klar. Nur hab ich viel zu groß gebaut, wie viele Menschen, wir haben viel zu viel Raum gehabt, den man dann mit Energie versorgen muss, und mit Industriegerümpel vollfüllt. Dadurch wird Wohnen sehr teuer, man könnte aber billiger wohnen.

Sie sind ja bekannt – ist Ihre Solaranlage für Sie ein Statussymbol? Ist sie cool?

Nein, ich hab das eigentlich damals nicht so gesehen. Ich hab mir eine Pelletsheizung zugelegt, weil ich kein Öl verbrennen wollte und gut dazu passt die Sonnenenergie, die sowieso da ist. Ich war verblüfft, wie gut das funktioniert, dass man auch im Winter bei Minusgraden trotzdem Wärme ins Haus bekommt, wenn die Sonne scheint. Das ist schon toll. Die Energie ist da und geht in meinen Pufferspeicher. Ich find das nicht besonders cool oder lässig, weil so was mir vollkommen egal ist und ich es damals einfach als sinnvoll und nützlich empfunden hab um Geld zu sparen.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, sich eine Solaranlage installieren zu lassen? Wer hat Sie auf die Idee gebracht?

Der, der mir die Anlage damals installiert hat, ein Installateur aus der Ortschaft. Der hat mir den Pelletskessel aufgestellt und gemeint, wenn ich eh einen Pufferspeicher hab’ , wäre eine Solaranlage sinnvoll. Platz hatte ich auch, meine Kollektoren liegen nicht am Dach, sondern stehen am Boden, südwestseitig, dadurch war das relativ logisch. Das einzige Problem – wie bei jeder Energie – ist die Speicherbarkeit. Wenn die Sonne im Sommer runterbrennt, steht die Solaranlage mit 90 Grad, ich brauch aber keine Wärme. Wenn es dann bewölkt ist und ich die Wärme bräuchte, kommt halt relativ wenig. Das ist halt das große Mirakel der Energie.

Sie sind vom Benzinbruder zum Naturapostel geworden, kann man sagen. Ist Ihr ökologisches Gewissen erwacht?

Nein, ich war das eigentlich immer. Auch wenn ich große amerikanische Autos daheim stehen hatte, ich hab die gesammelt als Objekte, so wie andere Sonnenbrillen sammeln. Die sind bei mir in der Garage gestanden und sind vielleicht dreimal im Jahr bewegt worden. Ich hab mit diesen Autos keinen Schmutz gemacht, das waren alte Autos aus den 1960er und 1970er Jahren, die nicht extra für mich gebaut wurden, die hat es schon gegeben. Heute hab’  ich Motorräder, mit denen fahre ich noch immer und gerne, ich hab kein schlechtes Gewissen dabei. Dafür schau ich auf andere Sachen, wo man mit Ressourcen vernünftig umgehen kann, zum Beispiel bei Lebensmittel. Die meisten Menschen glauben, die Autofahrer machen den größten Dreck, dabei sind es die Fleischesser. Ich verstehe mich als jemand, der immer schon mit der Natur gelebt hat. Darum war immer der Drang da, aufs Land zu ziehen, mit eigenem Gemüsegarten, nicht weil mir das wer gesagt hat oder weil ich einen Bewusstseinswandel gehabt hab, sondern weil es immer in mir drinnen war, der Bezug und die Liebe zur Natur.

Hatten Sie dabei keine Vorbilder?

Wenn etwas ein Vorbild für mich war, war es mein Garten. Der zeigt dir nämlich, was wirklich Sache ist, inwieweit wir nur Teil eines ganz großen Systems sind. Wenn du deine Lebensmittel aus dem Garten beziehst, ist auf einmal alles anders. Dann bist du abhängig von kosmischer Energie, vom Wind, ob der Samen will oder nicht, ob die Schnecken beim Salat ernten schneller sind als du, du bist von ganz vielen Faktoren abhängig. Das ist, was der Mensch immer war – von der Natur abhängig. Das ist auch nichts Schlechtes. Der Garten hat mich sehr viel gelehrt.

Denken Sie, dass Sie jetzt vielleicht selbst ein Vorbild sind, in Bezug auf Nachhaltigkeit und Erneuerbare Energie?

Ob ich ein Vorbild bin, das weiß ich nicht. Vielleicht bin ich für manche ein Vorbild, für andere bin ich ein Feindbild, es ist mir relativ wurscht, was ich für die anderen bin. Ich probiere, meinen Weg zu gehen und möglichst wenig dem Leben im Allgemeinen zu schaden.

Wo, glauben Sie, stehen wir in Österreich in 20 Jahren – wird es viele geben, die angehalten und umgeschwenkt haben, oder werden wir stur so weitermachen wie bisher?

Ich glaub da geht es nicht um Österreich, da geht es mittlerweile um die ganze Welt, wo steht die in 20 Jahren? Das ist wie Kaffesudlesen, man kann es nicht sagen. Was ich nicht glaube, ist, dass plötzlich der große Bewusstseinswandel eintritt und die Menschen anders funktionieren und anders mit Ressourcen umgehen.  Davon darf man nicht ausgehen. Ich glaub, dass wir uns erst dann ändern, wenn es ans Eingemachte geht.

Wenn Sie sich für die Energiezukunft Österreichs etwas wünschen dürften, was wäre das?

Was meinen Sie, was ist das, Energiezukunft?

Na ja, die Energiezukunft Österreichs ist die Zukunft der Energieversorgung in Österreich.

Was ich mir da wünschen darf?

Genau.

Das wir uns nicht Gedanken darüber machen, wo unsere Energie in Zukunft her kommt, sondern dass wir uns Gedanken machen, wie wir alle miteinander weniger verbrauchen in Zukunft. Dann ist das Problem gelöst. Der hohe Benzinpreis ist nur ein Problem, wenn ich mit dem Auto fahre. Fahre ich nicht, hab ich mit dem Benzinpreis kein Problem.

 

Solarwärme im Gespräch mit Forschungsleiterin Sabine Putz

Sabine Putz (c) S.O.L.i.D

In der Reihe unserer Interviews zur aktuellen Lage und Zukunft von Solarwärme setzen wir mit der Leiterin der Forschungs- und Entwicklungsabteilung der Firma S.O.L.I.D. fort. Sabine Putz ist eine der wenigen Technikerinnen in der Branche. Die bisherigen Interviewpartner (alles Männer) waren: Wr. Stadtverwaltung (Bernd Vogl), Solarindustrie (Robert Kanduth), Forschung (Werner Weiss), Bundespolitik (Reinhold Mitterlehner) und Großanlagenbau (Christian Holter)

 1. Erst einmal dürfen wir zum Titel “Expertin des Monats“ von FEMtech, einer Initiative des BMVIT, gratulieren.  Frauen in der Technik sind immer noch eher die Ausnahme. Was hat Sie zur Technik gebracht?

Als junges Mädchen interessierte ich mich schon immer wie Dinge funktionieren und  habe viele Fragen gestellt, bis ich wusste was ich wissen musste. Es reicht für mich nicht, dass der Strom aus der Steckdose kommt, es ist viel zu interessant zu wissen wie es dazu kommt. Ich würde also sagen mein technisches Verständnis ist eine Gabe der Natur. 

2.  Und warum gerade das Thema Solarwärme?

Nach 11 Jahren im Bereich Photovoltaik, einem kurzen Abstecher in die Medizintechnik und Metallverarbeitung, zog es mich zurück zu den alternativen Energien. Da bin ich zu Hause und sehe den Sinn meines Engagements erfüllt.

3.  Wird auf Sie in der Branche anders als auf männliche Kollegen reagiert?

Nein, nicht mehr. Frauen werden zwar bei Veranstaltungen und Projekten immer als Anwesende hervorgehoben, aber nicht anders behandelt. Vor 15 Jahren, als ich noch in der Photovoltaik beheimatet war, ist es mir allerdings öfter passiert. Bei Messen und Konferenzen wurde ich oft mal Kaffee holen geschickt, weil man nicht annahm, dass ich die zuständige Technikerin bin.

4. Sehen Sie einen Bedarf an mehr Frauen in technischen Berufen?

Natürlich. Ich finde allerdings, dass sich nur interessierte Frauen technischen Berufen zuwenden sollen, und nicht solche, die guten Verdienst wittern oder mehr Gender-Anerkennung wünschen.

5. Herrscht im Bereich der Erneuerbaren Energien eine höhere Akzeptanz gegenüber Technikerinnen?

In der Erneuerbare Energie Branche sehe ich heute keine Ungleichbehandlung – im Gegenteil, man freut sich über weibliche Beteiligung und die Akzeptanz ist gross.

6. Sie leiten bei S.O.L.I.D. den Bereich Forschung und Entwicklung. Welche großen Forschungsziele verfolgt Ihr Unternehmen?

Wir sind seit Jahren bemüht die Branche zu aktivieren, weil wir lange alleine auf weiter Flur im Bereich Grosssolaranlagen waren. Wir arbeiten in vielen Forschungsprojekten mit, die zum Ziel haben Erneuerbare Energie und speziell Solarthermie in Gebieten zu verbreiten, in denen sie gänzlich unbewusst ist. Derzeit arbeiten wir an 15 Forschungsprojekten (5 europäische, 3 IEA Tasks und 7 nationale). Die Themen reichen von Speichertechnologien über solare Kühlung bis solare Prozesswärme/kälte. Die grossen Ziele für die nächsten Jahre sind Fassadenintegration, Vakuumflachkollektortechnologie, optimierte und massgeschneiderte Lösungen für Grossanlagen und Saisonalspeicher wie in Dänemark .

7. Haben Sie ein persönliches Lieblingsprojekt, an dem Sie arbeiten oder gerne arbeiten würden?

Ich hab das Glück ein sehr innovatives Projekt zu leiten, das in Kürze vom Stapel geht. 10.000 Quadratmeter Solarthermie, die neben industrieller Abwärme einen 65.000 Kubikmeter (!) Saisonalspeicher speisen werden, dessen Wärme einen Stadtteil von Graz im Winter versorgen soll. Somit hab ich keine weiteren grossen Wünsche. 

8. Wohin geht die technische Entwicklung? Bleibt es bei der klassischen Wärme- und Warmwassererzeugung oder geht es auch in neue Richtungen?

Die Richtung geht ganz klar in Richtung solare Prozesswärme und Kälte. Solare Kühlung ist nur in klimatisch begünstigten Gebieten von Vorteil, deswegen ist unser dahingehend Engagement auch ausserhalb von Europa. Kombianlagen und Netzeinspeisung sind zwei weitere grosse Themen.

9. Wo sehen Sie die  Solarwärme technisch in 20 Jahren?

Kunststoffe werden den bekannten Werkstoffen den Rang ablaufen. Automatisiertes Betreiben und Überwachen wird ein gutes Instrument sein um Investitionen begründen zu können und noch viel wichtiger: im Bereich der Speicherung von Wärme wird´s die grössten Fortschritte geben. Zur Zeit kostet die Planung und Auslegung von Solaren Grossanlagen noch viel Geld, ich hoffe in 20 Jahren wird auch dies automatisiert werden.

10.  Wenn Sie sich für die Energiezukunft Österreichs etwas wünschen dürften, was wäre das?

Erst mal Umdenken im Eigenverbrauch von Energie durch zwingende politische Massnahmen zu bewirken. Gefolgt von alternativen Energieprojekten, die auch ohne hohe Förderung gebaut werden können und MÜSSEN – auch hier sehe ich zwingende Massnahmen für notwendig. Nicht nur der Häuslbauer soll gezwungen werden alternativ Energie zu erzeugen, auch die Industrie muss zwangsbeGLÜCKt werden! 

Solarwärme im Gespräch mit S.O.L.I.D.-Chef Christian Holter

Christian Holter (c) Christian Holter

In der Reihe unserer Interviews mit Vertretern aus Stadtverwaltung (Bernd Vogl), Solarindustrie (Robert Kanduth), Forschung (Werner Weiss) und Bundespolitik (Reinhold Mitterlehner) setzen wir nun mit einem Gespräch mit Christian Holter fort, Geschäftsführer der Firma S.O.L.I.D. und spezieller Auslandsexperte der Branche.

1.       Österreich ist und war ein führendes Land in Sachen Solarwärme. Trotzdem hat man das Gefühl, dass alle Welt nur mehr über Photovoltaik spricht, woran könnte das liegen?

Photovoltaik findet Unterstützung durch Großunternehmen, insbesonders auch Energieversorger und große Produzenten. Dadurch gibt es gutes Lobbing. Und: Photovoltaik ist unabhängig vom Verbraucher- Module aufs Dach, Wechselrichter anschließen, es braucht nicht mehr nachdenken. Solarwärme ist da komplizierter.

  2.       Ihr Unternehmen ist weltweit tätig, Sie selbst sind, wenn ich so sagen darf, sehr umtriebig und reisen viel. Wo waren Sie gerade zuletzt?

USA und Karibik.

 3.       Und wie ist die Situation bezüglich Solarwärme dort?

Solarwärme ist der schlafende Riese. Unglaubliches Potential, aber kein Markt und keine Akteure.

4.       Sie waren bei der Intersolar 2012 in den USA. Laut Twitter waren Sie von den Vorträgen über Solare Kühlung beeindruckt. Wie sieht hier die Tendenz international aus?

Solare Kühlung gerade im kommerziellen Bereich hat tolles Potential in den Sonnenländern. Die Technologie ersetzt nicht nur Produktion im Kraftwerkspark zu Spitzenlastpreisen, sie entlastet – im Gegensatz zu PV – auch die Stromnetze und kann für die Abendstunden leicht gespeichert werden. Aber: Das gewusst wie fehlt in praktisch allen Ländern.

5.       Sie haben auch große Solaranlagen in China gebaut. Dieses Land wird derzeit sehr ambivalent wahrgenommen: einerseits als Zukunftsmarkt, andererseits als immer stärker werdende Konkurrenz. Wie nehmen Sie China wahr?

Ich sehe wenig Chancen für österreichische Unternehmen, nachhaltig nach China zu verkaufen. Umgekehrt erzeugt China sicherlich einen Preisdruck auf unsere Hersteller, auch wenn chinesische Anbieter bislang – insbesonders was Systemtechnik betrifft – keine wirkliche Bedrohung für die heimischen Unternehmen darstellen.  

6.       Wenn Sie ein Haus bauen würden, welches Heizsystem würden Sie einbauen und welchen Ratschlag können Sie Menschen und Unternehmen geben, die vor einer Entscheidung im Wärmebereich stehen?

Schritt eins ist immer hervorragend dämmen und eine Niedertemperaturheizung. Und für den geringen Wärmerest scheint alles teuer und unwirtschaftlich, ist aber notwendig. Mittelfristig hat Solarwärme da einen großen Platz – sowohl über zentrale Versorgungsnetze als auch in Einzellösungen mt Speichern.

7.       Wie heizen Sie bei Ihnen zu Hause?

Ich speichere Sommersonnenwärme für die Wintermonate, und ergänze das mit Stückholz aus dem eigenen Garten. Die letzten 20 Jahre habe ich um in Summe 600 Euro Holz zukaufen müssen. 

8.       Mit dem Wissen Ihrer internationalen Erfahrungen: was muss in Österreich passieren, damit sich die Solarwärmebranche besser positionieren kann?

Solarwärme muss in Bezug auf öffentliche Unterstützung (=finanziell, aber auch Aufmerksamkeit und Werbung) gleich behandelt werden wie PV. Und für Großprojekte muss die Tür weit aufgemacht werden.

9.       Wenn Sie sich für die Energiezukunft Österreichs etwas wünschen dürften, was wäre das?

Ein ehrliches ernstes und gelebtes Kommittment zu Erneuerbaren und Steuern für Fossile – als Steuerungsinstrument.

Weitere Interviews aus der Serie “Solarwärme im Gespräch”

 

 

Solarwärme im Gespräch mit Energieminister Mitterlehner

Bundesminister Reinhold Mitterlehner bei Solarwärme im Gespräch

Wir setzen nun unserer Interviewserie, nach Stimmen aus der Stadtverwaltung (Bernd Vogl), der Solarindustrie (Robert Kanduth) und der Forschung (Werner Weiss), mit der hohen Politik fort. Wirtschafts- und Energieminister Reinhold Mitterlehner hat mit uns über Solarwärme in Österreich gesprochen. Es wurden allen Interviewpartnern dieselben Fragen gestellt. Solarwärme aus verschiedenen Blickwinkeln – es empfiehlt sich alle Interviews zu lesen! Hier die Antworten von Minister Mitterlehner:

1. Österreich war und ist ein weltweit führendes Land in Sachen Solarwärme. Trotzdem hat man das Gefühl, dass alle Welt nur mehr über Photovoltaik spricht. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Photovoltaik ist eine moderne Technologie, die in der Öffentlichkeit seit jeher einen hohen und positiv besetzten Stellenwert hat. Aktuell haben die vor allem in Europa geführten Energiewende-Diskussionen nach der Nuklearkatastrophe in Fukushima den Fokus auf die Stromerzeugung aus Sonnenenergie weiter erhöht. Mir ist wichtig, dass die Technologien nicht gegeneinander ausgespielt werden, sondern sich energetisch und kostenmäßig gut ergänzen.

2. Wie sehen Sie die Zukunft der Solarwärme in Österreich?

Jedenfalls positiv. Jeder Eigenheimbesitzer ist gut beraten, solche Anlagen zu installieren, wenn die Voraussetzungen dafür passen.

3. Im Jahr 2008 veröffentlichte der Umweltminister in Kooperation mit Ihnen und Ministerin Bures sowie dem Verband Austria Solar eine Solarwärme Roadmap 2020. Das Ziel ist bis zum Jahr 2020 rund 24 Millionen Quadratmeter Kollektoren zu installieren, die 10 Prozent des Wärmebedarfes von Gebäuden und Produktionsprozessen bis 250 Grad Celsius decken. Derzeit stehen wir bei knapp 5 Millionen Quadratmeter und es sind nur mehr 8 Jahre. Welche Maßnahmen sind geplant, um pro Jahr mehr als 2 Millionen Quadratmeter zu erreichen?

Österreich ist auf dem Gebiet der Solarthermie traditionell sehr gut aufgestellt. Laut Zahlen der Internationalen Energieagentur liegt Österreich bei der installierten Gesamtfläche pro Kopf auf dem hervorragenden dritten Platz. Der Trend geht also in die richtige Richtung. Für den weiteren Ausbau gibt es eine Reihe von Anreizen und Programmen der Bundesregierung, wie zum Beispiel einen 400 Euro Direktzuschuss für Solarwärmeanlagen vom Klimafonds oder bis zu 1.500 Euro pro thermischer Solaranlage im Rahmen des Sanierungsschecks. Beide Fördermodelle sind mit Landesförderungen kombinierbar. Ebenso besteht die Möglichkeit der steuerlichen Absetzbarkeit des Einbaus von Solaranlagen als Sonderausgabe mit 2.920 Euro jährlich. Die Überzeugung, dass sich eine Anlage mittelfristig rechnet, viele Jahre funktioniert und dabei einen wesentlicher Beitrag zur Ressourcenschonung, Versorgungssicherheit und zum Umweltschutz leistet, sollte eine hohe Motivation sein, in Solarthermie zu investieren. Gleichzeitig müssen Bauunternehmen und Architekten rechtzeitig eingebunden sein, um sowohl im Neubau als auch bei der Altbau-Sanierung die richtigen Akzente setzen zu können.

4. In Dänemark boomen Solarwärmeanlagen in Verbindung mit Nah- und Fernwärmenetzen, in den nächsten beiden Jahren wird der Bestand an Solarwärme-Biomasse-Netzen verdoppelt. Gibt es Pläne, diese Art der Wärmeversorgung auch in Österreich zu forcieren?

Dänemark ist mit Österreich nicht vergleichbar, jedoch sind auch bei uns zahlreiche neue Biomasseanlagen mit Nah- und Fernwärmenetzen entstanden. Die Einbindung von solarer Wärme in solche Anlagen bedarf aber einer erweiterten Anlagenkonzeption mit entsprechenden Wärmespeichern und Prozessleittechnik sowie vielen Quadratmetern an Kollektorfläche. Letztere können aber nicht überall realisiert werden, wobei diese Systeme angesichts der positiven internationalen Erfahrungen auch in Österreich verstärkt eingesetzt werden.

5. Ein großes Hindernis im Umbau der Energieversorgung in den Städten ist das Mietrecht. Es ist nicht so ausgelegt, dass Eigentümer oder Mieter dazu angehalten werden eine Dämmung vorzunehmen oder die Energieversorgung auf Solarenergie umzustellen. Gibt es Ideen, wie man dieses Dilemma lösen könnte? Was müsste passieren, damit mehr Eigentümer in Effizienz und Solarwärme investieren?

Das Mietrecht fällt leider nicht in unseren Zuständigkeitsbereich, deshalb kann ich dazu nichts sagen.

6. Wenn Sie sich für die Energiezukunft Österreichs etwas wünschen dürften, was wäre das?

Mein Ziel ist ein erneuerbares, effizientes und sicheres Energiesystem, das auch unseren Kindern und Kindeskindern eine saubere Energiezukunft ermöglicht.

 

Weitere Interviews aus der Serie “Solarwärme im Gespräch”

Solarwärme im Gespräch mit AEE Chef Werner Weiss

Werner Weiss - Geschäftsführer der AEE Intec

Wir freuen uns sehr, heute einen der echten Insider der Solarwärmebranche bei unserer Serie “Solarwärme im Gespräch” interviewen zu dürfen. Es war sehr schwierig den international gefragten Experten Werner Weiss “vor den Vorhang” zu holen, aber wir haben es geschafft. Er ist Geschäftsführer der AEE - Institut für Nachhaltige Technologien welche sich mit der Erforschung der naturwissenschaftlich-technischen Grundlagen der thermischen Solarenergienutzung beschäftigt. Auf der Website sind alle Projekte zu sehen und auch spannende Studien wie “Potenzial der Solarthermie in Europa” runterzuladen. Es wurden ähnliche Fragen wie schon in den vorangegangen Interviews mit Bernd Vogl und Robert Kanduth gestellt, damit die Antworten vergleichbarer sind.

1. Herr Weiss, Österreich ist und war ein führendes Land in Sachen Solarthermie. Trotzdem hat man das Gefühl, dass alle Welt nur mehr über Photovoltaik spricht, woran könnte das liegen?

 Historisch betrachtet lag die Solarthermie in den vergangenen 20 Jahren immer weit vor der Photovoltaik. Weltweit sind 245 GW an solarthermischer Leistung installiert, während die Photovoltaik bei nur 67 GW liegt. Wenn man allerdings die Dynamik der beiden Märkte vergleicht, so hat sich in den vergangenen 5 Jahren vor allem in Europa sehr viel verändert. Die Photovoltaik boomt und holt rasant auf, während die Solarthermie stagniert oder rückläufig ist.

In Österreich stieg die installierte Photovoltaikleistung im Jahr 2011 im Vergleich zum Jahr 2010 um 95%. Der mittlere Systempreis ist vom Jahr 2010 auf das Jahr 2011 von 4.216 Euro/kWpeak auf 3.579 Euro/kWpeak – das heißt, um 15% in einem Jahr– gesunken.

Derartige Lernkurven fehlen bei der Solarthermie. Die Systempreise sind mit rund 1.000 Euro/kW seit zehn Jahren nahezu unverändert. Diese Entwicklung hat bei privaten Investoren zu einer Preis- wie auch Flächenkonkurrenz auf den Dächern geführt.

D.h. wenn es nicht gelingt, die Preise der Solarthermie signifikant zu senken, werden die kommenden Jahre schwierig.

2. Sie beschäftigen sich sehr stark mit dem Thema Heizen und Kühlen, wo sind die Potentiale der Solarwärme langfristig in Österreich und der Welt?

Die langfristigen Potenziale der Solarthermie liegen aus meiner Sicht im Wohngebäudebereich bei Gesamtlösungen – d.h. bei Hybridsystemen, die den gesamten Wärme- und Kühlbedarf zu 100% decken. Die Solarthermie darf, wenn sie langfristig bestehen will, kein „add-on“ zu einem konventionellen Heizsystem sein, das nur 10 oder 20% des Gesamtwärmebedarfs deckt.

Kurzfristige Lösungen können Hybridsysteme bestehend aus Solarthermie und Wärmepumpen oder Solarthermie und Gasbrennwerttechnik sein, wobei die Solarthermie mehr als 50% des Wärmebedarfs decken muss. Längerfristig müssen solarthermische Systeme in Kombination mit kompakten Speichern mit hohen Energiedichten 100% decken können.

Weitere große Potenziale sehe ich im Großanlagenbereich. Das sind Anlagen für industrielle Prozesswärme sowie bei der Einspeisung von Solarwärme in Nah- und Fernwärmesysteme.

3. Welche Rahmenbedingungen bräuchte die Solarwärme in Österreich oder der EU um einen Schub nach vorne zu bekommen.

Aus meiner Sicht müssten die derzeitigen innovationshemmenden Förderungen durch ertrags- und deckungsgradabhängige Förderinstrumente ersetzt werden. Weiters wären ordnungspolitische Maßnahmen wie zB. Verpflichtungen in einigen Bereichen wünschenswert.

4. Wenn Sie ein Haus bauen würden, welches Heizsystem würden Sie einbauen und welchen Ratschlag können Sie Menschen und Unternehmen geben, die vor einer Entscheidung im Wärmebereich stehen?

Derzeit würde ich einem solaren Heizsystem in Kombination mit einer Biomasseheizung den Vorzug geben.

Grundsätzlich ist es sinnvoll, den Heizwärmebedarf durch geeignete Dämmmaßnahmen auf ein möglichst geringes Maß zu reduzieren. Dieser geringe Bedarf sollte dann über erneuerbare Energien – vorzugsweise Solarthermie – gedeckt werden.

5. In welchen Unternehmen wäre der Einsatz von Solarwärmesystemen sinnvoll, was sollte man dabei beachten?

Unternehmen mit sehr großem Potenzial sehe ich in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie sowie bei der Metalloberflächenindustrie (Galvanik), da nahezu alle Prozesse dieser Unternehmen unter 100°C ablaufen. Um dieses Potenzial zu öffnen ist es allerdings erforderlich, das Wärmeversorgungsystem der Betriebe an solarthermische Anforderungen anzupassen.

6. Wie können städtische Wärmesysteme in ein erneuerbares Zeitalter gebracht werden?

Durch die intelligente Integration von Solarthermie in städtische Fernwärmesysteme. Diese Systeme müssen mittelfristig sowohl Wärme- wie auch Stromnetze kombinieren indem beispielsweise thermische Speicher für die Solarthermie aber auch für die Abwärme aus KWK Anlagen oder für kurzfristige Überschüsse aus PV oder Windstrom genutzt werden.

Die Senkung von Netztemperaturen sowie solare Wärmegestehungskosten in der Größenordnung von 20 – 30 Euro/MWh sind weitere Voraussetzungen für eine breite Anwendung.

7. Wenn Sie sich für die Energiezukunft Österreichs etwas wünschen dürften, was wäre das?

Eine mutige und zukunftsorientierte Energiepolitik, welche die Rahmenbedingungen für einen raschen Umbau unsers Energiesystems schafft.

Weitere Interviews aus der Serie “Solarwärme im Gespräch”

Solarwärme im Gespräch mit Unternehmer Robert Kanduth

Solarwärme im Gespräch mit GreenOneTec CEO Robert Kanduth

Der Serie Solarwärme im Gespräch geht weiter und heute sprechen wir mit Robert Kanduth, einem der erfolgreichsten Solarunternehmer Österreichs und CEO des Kärntner Kollektorerzeugers GreenOneTec.

Herr Kanduth, Sie bekommen die gleiche Frage wie auch Bernd Vogl im letzen Interview. Österreich ist und war ein führendes Land in Sachen Solarthermie. Trotzdem hat man das Gefühl, dass alle Welt nur mehr über Photovoltaik spricht, woran könnte das liegen?

“Das ist grundsätzlich richtig. Photovoltaik ist sexy weil man Strom erzeugt, aber ich versteh’s nicht ganz, weil beide Mal produziert man kWh. Außerdem braucht man in Österreich 85% Wärme aber nur 15% Strom. Die ganze Bevölkerung möchte die 15% haben und einspeisen. Ich versteh’s  wirklich nicht, weil Solarthermie ist noch immer wesentlicher effizienter als die Photovoltaik.”

Ihr Unternehmen ist führend im Bereich der Flachkollektoren und ist aber auch im Bereich Photovoltaik aktiv. Wie sehen Sie die Entwicklungen der beiden Technologien in den nächsten Jahren?

“Es ist so: Beide Technologien haben eine Daseinsberechtigung, aber das Photovoltaikgeschäft ist derzeit wahnsinnig schwierig, weil die Chinesen mit staatlicher Förderung die Module zu Dumpingpreisen in die ganze Welt liefern. Das ist das große Problem der Photovoltaik. Das passiert uns bei der thermischen Solarenergie noch nicht, ich sage aber bewusst, noch nicht.”

Warum tritt die WTO hier nicht stärker auf?

“Normalerweise wär das der richtige Weg, aber aus irgendeinem Grund traut sich niemand hier einzugreifen. Die ganze Welt und vor allem Europa fürchtet sich vor China wie die Maus vor der Schlange. Er herrscht furchbare Angst vor der Einführung von Zöllen auch wenn die chinesischen Hersteller nachweislich mit Dumpingpreisen in den Markt eintreten. Die letzten 5 Jahre wurden satte 50 Mrd. Dollar in die Photovoltaik investiert. Die chinesische Staatsbank finanziert weltweit Projekte, die mit chinesischen Modulen gebaut werden. Europas muss munter werden denn es sind nichtmal die niedrigen Lohnkosten, sondern die massiven Subventionen durch den chinesischen Staat. Wenn China auch im Solarthermiemarkt so massiv einsteigt, wird’s schwierig für Europa.”

Welche Rahmenbedingungen bräuchte die Solarwärme in Österreich oder der EU um einen Schub nach vorne zu bekommen?

“Grundsätzlich muss sich Europa das Ziel setzen, bis 2050 energieautark zu werden. Das heißt aber auch, dass es gesetzliche Rahmenbedingungen für diesen Weg braucht. Die Solarthermie ist mittlerweile die wirtschaftlichste Möglichkeit der erneuerbaren Energien. Es gibt nichts Effizienteres als die Solarthermie. Deshalb muss es bei jedem Neubau und bei jeder Sanierung verpflichtend vorgegeben werden. Dann müsste der Staat nicht mal einen Cent in die Hand nehmen.”

Also wäre die Solarthermie auch ohne Förderung wirtschaftlich?

Ja selbstverständlich wärs wirtschaftlich, aber die Leute wollen einfach Förderungen, weils sexy ist. Man kann sagen mit Förderung rechnet sich die Anlage in acht Jahren und ohne in zwölf Jahren. Man muss hier aber wirklich längerfristig denken. Es geht eben nicht so wie bei der Industrie, dass sich jede Anschaffung in 3-4 Jahren rechnet.

Nur ein Beispiel: Wir haben erst kürzlich jene Kollektoren prüfen lassen, die vor über 20 Jahren gebaut wurden. Zehn Kollektoren von zehn unterschiedlichen Typen wurden untersucht und nicht das geringste Problem konnte festgestellt werden. Wir gehen heute von einer Lebensdauer von 40 Jahren aus. Ich kann das heute tatsächlich behaupten. Ich bin seit über 20 Jahren im Geschäft und produziere Kollektoren und auch dieser Test hat wieder bewiesen, dass es möglich ist. In den Kollektoren ist einfach nichts drinnen was kaputt wird. Die Anlage hält etwas länger als ein Dach. Natürlich müssen einzelne Komponenten wie Pumpen getauscht werden und nach 10-20 Jahren wird wohl auch mal ein Boiler kaputt, aber das sind keine massiven Kostentreiber. Es muss sich durchsetzten, dass eine Solaranlage eine Investition fürs ganze Leben ist und ich dann aber auch ein Leben lang nichts mehr tun muss für die Energie.

6. Wie sehen Sie die Entwicklungen ihres Unternehmens in den nächsten Jahren?

Wir versuchen weiter zu wachsen, aber der Markt in Europa ist seit 2008 jedes Jahr rückläufig. Es ist wahnsinnig schwierig neue Kunden zu bekommen und wir versuchen nun einfache und günstige Systeme auf den Markt zu bringen die vielleicht etwas weniger Energie bringen als hocheffiziente Kollektoren, aber dafür nur den halben Preis kosten. So wird die große Hürde der Investitionssumme geringer. Die Idee ist, dass in Zukunft wirklich jeder Haushalt eine Solaranlage hat. Der Unterschied wird nur sein, dass eine Anlage eben 90 % des Warmwassers abdeckt und die andere eben nur 65-70%.

Wissen Sie warum bei all diesen guten Voraussetzungen der Markt in Europa seit 2008 rückläufig ist?

Tja, wenn ich das nur wüsste! Es gibt so viele Studien und Ideen darüber, aber ich muss echt sagen, ich weiß es nicht. Eine Idee wäre, dass die PV so stark gewachsen ist und die Solarthermie substituiert hat. Bei der PV bekommt der Kunde eben bares Geld auf die Hand und bei der Solarthermie sind es „nur“ die Einsparungen.

Was halten Sie von der Kombination Wärmepumpe und Photovoltaik?

Ja, ist auch ein Thema, aber trotzdem produziere ich die Energie mit Photovoltaik und Wärmepumpe noch immer teurer als mit der thermischen Solarenergie. Die thermische Anlage ist immer noch die günstigere Variane. Beim Vergleich einer grösseren Anlage (etwa 100 m²) wo beide Anlagen über 20 Jahre laufen, produziert man die kWh mit Photovoltaik um 9,5 ct und mit Solarthermie um 4ct. Also auch noch wesentlich günstiger als Windenergie und vermutlich auch als neu installierte Wasserkraft.

Warum tut sich dann nicht mehr?

Das einzige Problem ist, dass ich die Anlage heute bezahlen muss und die Investitionskosten für manche zu hoch sind.

Wenn Sie ein Haus bauen würden, welches Heizsystem würden Sie einbauen und welchen Ratschlag können Sie Menschen und Unternehmen geben, die vor einer Entscheidung im Wärmebereich stehen?

Hier kann ich die Initiative Sonnenhaus empfehlen. Ich würde jedem raten eine wirklich riesige thermische Solaranlage zu installieren. Es gibt Häuser, die decken über 100% des Wärmebedarfes mit thermischen Kollektoren und großen Pufferspeichern.

Also gar kein Zweitsystem mit Pellets oder Gas für die wirklich kalten und nebeligen Tage?

Nein, nur ein System und für Notfälle einfach eine strombetriebene Heizpatrone im Pufferspeicher. Stromanschluss werden die Häuser ja auch in Zukunft haben. Diese Notfälle passieren bei einer richtig dimensionierten Anlage dann vielleicht an drei Tagen im Jahr.

Wie heizen Sie bei Ihnen zu Hause?

Ja, natürlich genau so! Ich habe bei mir privat 230 m² Sonnenkollektoren im Hang und einen 20.000 Liter Pufferspeicher. Ich decke so 95-98% des Wärmebedarfes. Das Haus ist jetzt 5 Jahre alt und zugegebenermaßen relativ groß. Bei einem normalen Einfamilienhaus würden vermutlich 100 m² reichen um dasselbe abzudecken und in all den Jahren haben wir kein einziges Mal gefroren.

Wenn Sie sich für die Energiezukunft Österreichs etwas wünschen dürften, was wäre das?

Die Österreicher brauchen eine Strategie, bis wann sie energieautark sein wollen. Die Regierung hat sich bei Veröffentlichung der 34% Ziele mit Händen und Füßen gewehrt und wollte sich lediglich auf ein 28% Ziel einlassen. Ein Jahr später sind sie draufgekommen, dass Österreich laut EU-Berechnungsmethoden ohnehin schon 30% hatte, also wollten sie bis 2020 die Erneuerbaren eigentlich abbauen. Es fehlen hier einfach echte Ambitionen. Ich würde mir wünschen, dass das Lobbying der Dinosaurier in Österreich verschwindet und dass wirklich Leute am Werk sind, die wissen wo die Zukunft liegt. Österreich sollte bis zum Jahr 2020 mindestens 40% und bis 2030 60 % aus erneuerbaren Energien erzeugen.  Mein Wunsch wäre, dass sich die Minister nicht mehr von einem Dinosaurier wie Veit Sorger von der Industriellenvereinigung (IV) beeinflussen lassen. Die Industrie selbst ist schon viel schlauer und auch innerhalb der IV gab es die letzten 3-4 Jahre einen massiven Wandel. Nur die Spitze tut noch weh, aber diese Leute werden die nächsten Jahre verschwinden. Dann wird auch die wohl wichtigste Vereinigung des Landes für die erneuerbaren Energien da sein und es wird einen riesen Knall geben.

Dieses Interview wurde auch im Fachmagazin GEBÄUDEINSTALLATION (Sept. 2012) und auf oekonews.at veröffentlicht, der online Tageszeitung für Erneuerbare Energien http://www.oekonews.at/index.php?mdoc_id=1072762

“Solarwärme im Gespräch” startet mit Bernd Vogl

Mag. Bernd Vogl, Leiter der MA 20 (Energieplanung)

Wie wir wissen findet Solarwärme in den Medien eher wenig Platz. Statt zu jammern haben wir mit diesem Blog einen Schritt gesetzt um dies zu ändern. Jetzt laden wir Persönlichkeiten aus der österreichischen Energieszene ein, mit uns über das Thema Solarwärme zu sprechen um so auch befruchtende Diskussionen im Kommentarfeld anzustossen.

Mit “Solarwärme im Gespräch” startet eine Serie an interessanten Interviews. Mag. Bernd Vogl, Leiter der Magistratsabteilung Energieplanung (MA 20), welcher auch maßgeblich für die Wiener Energiezukunft und damit die Rahmenbedingungen für Solarwärme verantwortlich ist, macht den Anfang.

1. Herr Vogl, Österreich ist und war ein führendes Land in Sachen Solarwärme. Trotzdem hat man das Gefühl, dass alle Welt nur mehr über Photovoltaik spricht, woran könnte das liegen? Weiterlesen