Roadmap für den Solarwärme-Erfolg

Um ein Ziel zu erreichen, muss man die Wege kennen, die zu diesem führen. Um die Wege zu finden, bedarf es einer Karte. Für die Solarthermie ist das die Roadmap Solarwärme 2020.

Quelle: Sunmark, Silkeborg Hospital

Ziel der Veranstaltung am 13.6.2013 war es, diese Roadmap auf den neuesten Stand zu bringen. Wo sind die breitesten Wege, sprich Hauptmärkte, zu finden? Was müssen wir tun, um sie in den nächsten Jahren mutig zu beschreiten?

 

 

Die Wege sind gesäumt von Gesetzen und Konkurrenten am Wärmemarkt, wie von Christian Frank von AEE Intec und Roger Hackstock von Austria Solar kurz zusammengefasst wurde. Der Gastgeber FFG und Vertreter von drei Ministerien erläuterten die Bedeutung der Roadmap für die Erneuerbaren Energie Ziele der Bundesregierung. Die Hauptwege der nächsten Jahre wurden in folgende Hauptmärkte eingeteilt:

  • Nachrüstung in Bestandsgebäuden (Massenmarkt)
  • Großanlagen
  • Export

Die Veranstaltung der Österreichischen Technologieplattform ASTTP war gut besucht, rund 30 Vertreter von Produktionsfirmen, Forschungs- und Entwicklungsstellen, Ministerien und Stake Holder fanden sich ein, um im Rahmen eines Workshops die Kernfragen für die Aktualisierung der Roadmap zu beantworten.

  • Was kann die Branche selbst für den Erfolg auf den Hauptmärkten tun?
  • Wen (Partner) bzw. was (Gesetze) benötigt die Branche dafür?
  • Was ist die konkrete Vorgehensweise, was sind die nächsten Schritte?

    Statements zur Aufgabenstellung durch Stake Holder (c) Renate Fuchs

Die Sammlung und Präsentation der Antworten zu der Aufgabenstellung lieferte ein breites Spektrum an Ideen, die intensiv diskutiert wurden.

Präsentation und Diskussion (c) Renate Fuchs

Zum Schluss wurden Zusammenhänge und Gemeinsamkeiten der Ergebnisse diskutiert, der rote Faden durch alle drei Hauptmärkte zeigte:

  • Solarwärme muss ständig im Bewusstsein potenzieller Kunden und Investoren präsent gehalten werden.
  • Kostensenkungen beim Endkunden sind in allen Hauptmärkten unumgänglich
  • Alle Marktsegmente brauchen eine aktive Marktbearbeitung mit verkaufsaktiven Partnern
  • Die Komplexität muss weiter reduziert, die Bedienerfreundlichkeit erhöht werden

Die Ergebnisse des Workshops werden von der AEE Intec in die Aktualisierung der Roadmap Solarwärme 2020 eingearbeitet. Beim nächsten Workshop der ASTTP im Herbst 2013 werden die ersten Wege und Beschilderungen am Weg zum Ziel präsentiert, wie der Solarwärmemarkt wieder in Schwung gebracht werden kann.

Solarwärme im Gespräch mit Energieminister Mitterlehner

Bundesminister Reinhold Mitterlehner bei Solarwärme im Gespräch

Wir setzen nun unserer Interviewserie, nach Stimmen aus der Stadtverwaltung (Bernd Vogl), der Solarindustrie (Robert Kanduth) und der Forschung (Werner Weiss), mit der hohen Politik fort. Wirtschafts- und Energieminister Reinhold Mitterlehner hat mit uns über Solarwärme in Österreich gesprochen. Es wurden allen Interviewpartnern dieselben Fragen gestellt. Solarwärme aus verschiedenen Blickwinkeln – es empfiehlt sich alle Interviews zu lesen! Hier die Antworten von Minister Mitterlehner:

1. Österreich war und ist ein weltweit führendes Land in Sachen Solarwärme. Trotzdem hat man das Gefühl, dass alle Welt nur mehr über Photovoltaik spricht. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Photovoltaik ist eine moderne Technologie, die in der Öffentlichkeit seit jeher einen hohen und positiv besetzten Stellenwert hat. Aktuell haben die vor allem in Europa geführten Energiewende-Diskussionen nach der Nuklearkatastrophe in Fukushima den Fokus auf die Stromerzeugung aus Sonnenenergie weiter erhöht. Mir ist wichtig, dass die Technologien nicht gegeneinander ausgespielt werden, sondern sich energetisch und kostenmäßig gut ergänzen.

2. Wie sehen Sie die Zukunft der Solarwärme in Österreich?

Jedenfalls positiv. Jeder Eigenheimbesitzer ist gut beraten, solche Anlagen zu installieren, wenn die Voraussetzungen dafür passen.

3. Im Jahr 2008 veröffentlichte der Umweltminister in Kooperation mit Ihnen und Ministerin Bures sowie dem Verband Austria Solar eine Solarwärme Roadmap 2020. Das Ziel ist bis zum Jahr 2020 rund 24 Millionen Quadratmeter Kollektoren zu installieren, die 10 Prozent des Wärmebedarfes von Gebäuden und Produktionsprozessen bis 250 Grad Celsius decken. Derzeit stehen wir bei knapp 5 Millionen Quadratmeter und es sind nur mehr 8 Jahre. Welche Maßnahmen sind geplant, um pro Jahr mehr als 2 Millionen Quadratmeter zu erreichen?

Österreich ist auf dem Gebiet der Solarthermie traditionell sehr gut aufgestellt. Laut Zahlen der Internationalen Energieagentur liegt Österreich bei der installierten Gesamtfläche pro Kopf auf dem hervorragenden dritten Platz. Der Trend geht also in die richtige Richtung. Für den weiteren Ausbau gibt es eine Reihe von Anreizen und Programmen der Bundesregierung, wie zum Beispiel einen 400 Euro Direktzuschuss für Solarwärmeanlagen vom Klimafonds oder bis zu 1.500 Euro pro thermischer Solaranlage im Rahmen des Sanierungsschecks. Beide Fördermodelle sind mit Landesförderungen kombinierbar. Ebenso besteht die Möglichkeit der steuerlichen Absetzbarkeit des Einbaus von Solaranlagen als Sonderausgabe mit 2.920 Euro jährlich. Die Überzeugung, dass sich eine Anlage mittelfristig rechnet, viele Jahre funktioniert und dabei einen wesentlicher Beitrag zur Ressourcenschonung, Versorgungssicherheit und zum Umweltschutz leistet, sollte eine hohe Motivation sein, in Solarthermie zu investieren. Gleichzeitig müssen Bauunternehmen und Architekten rechtzeitig eingebunden sein, um sowohl im Neubau als auch bei der Altbau-Sanierung die richtigen Akzente setzen zu können.

4. In Dänemark boomen Solarwärmeanlagen in Verbindung mit Nah- und Fernwärmenetzen, in den nächsten beiden Jahren wird der Bestand an Solarwärme-Biomasse-Netzen verdoppelt. Gibt es Pläne, diese Art der Wärmeversorgung auch in Österreich zu forcieren?

Dänemark ist mit Österreich nicht vergleichbar, jedoch sind auch bei uns zahlreiche neue Biomasseanlagen mit Nah- und Fernwärmenetzen entstanden. Die Einbindung von solarer Wärme in solche Anlagen bedarf aber einer erweiterten Anlagenkonzeption mit entsprechenden Wärmespeichern und Prozessleittechnik sowie vielen Quadratmetern an Kollektorfläche. Letztere können aber nicht überall realisiert werden, wobei diese Systeme angesichts der positiven internationalen Erfahrungen auch in Österreich verstärkt eingesetzt werden.

5. Ein großes Hindernis im Umbau der Energieversorgung in den Städten ist das Mietrecht. Es ist nicht so ausgelegt, dass Eigentümer oder Mieter dazu angehalten werden eine Dämmung vorzunehmen oder die Energieversorgung auf Solarenergie umzustellen. Gibt es Ideen, wie man dieses Dilemma lösen könnte? Was müsste passieren, damit mehr Eigentümer in Effizienz und Solarwärme investieren?

Das Mietrecht fällt leider nicht in unseren Zuständigkeitsbereich, deshalb kann ich dazu nichts sagen.

6. Wenn Sie sich für die Energiezukunft Österreichs etwas wünschen dürften, was wäre das?

Mein Ziel ist ein erneuerbares, effizientes und sicheres Energiesystem, das auch unseren Kindern und Kindeskindern eine saubere Energiezukunft ermöglicht.

 

Weitere Interviews aus der Serie “Solarwärme im Gespräch”

Solarwärme im Gespräch mit AEE Chef Werner Weiss

Werner Weiss - Geschäftsführer der AEE Intec

Wir freuen uns sehr, heute einen der echten Insider der Solarwärmebranche bei unserer Serie “Solarwärme im Gespräch” interviewen zu dürfen. Es war sehr schwierig den international gefragten Experten Werner Weiss “vor den Vorhang” zu holen, aber wir haben es geschafft. Er ist Geschäftsführer der AEE - Institut für Nachhaltige Technologien welche sich mit der Erforschung der naturwissenschaftlich-technischen Grundlagen der thermischen Solarenergienutzung beschäftigt. Auf der Website sind alle Projekte zu sehen und auch spannende Studien wie “Potenzial der Solarthermie in Europa” runterzuladen. Es wurden ähnliche Fragen wie schon in den vorangegangen Interviews mit Bernd Vogl und Robert Kanduth gestellt, damit die Antworten vergleichbarer sind.

1. Herr Weiss, Österreich ist und war ein führendes Land in Sachen Solarthermie. Trotzdem hat man das Gefühl, dass alle Welt nur mehr über Photovoltaik spricht, woran könnte das liegen?

 Historisch betrachtet lag die Solarthermie in den vergangenen 20 Jahren immer weit vor der Photovoltaik. Weltweit sind 245 GW an solarthermischer Leistung installiert, während die Photovoltaik bei nur 67 GW liegt. Wenn man allerdings die Dynamik der beiden Märkte vergleicht, so hat sich in den vergangenen 5 Jahren vor allem in Europa sehr viel verändert. Die Photovoltaik boomt und holt rasant auf, während die Solarthermie stagniert oder rückläufig ist.

In Österreich stieg die installierte Photovoltaikleistung im Jahr 2011 im Vergleich zum Jahr 2010 um 95%. Der mittlere Systempreis ist vom Jahr 2010 auf das Jahr 2011 von 4.216 Euro/kWpeak auf 3.579 Euro/kWpeak – das heißt, um 15% in einem Jahr– gesunken.

Derartige Lernkurven fehlen bei der Solarthermie. Die Systempreise sind mit rund 1.000 Euro/kW seit zehn Jahren nahezu unverändert. Diese Entwicklung hat bei privaten Investoren zu einer Preis- wie auch Flächenkonkurrenz auf den Dächern geführt.

D.h. wenn es nicht gelingt, die Preise der Solarthermie signifikant zu senken, werden die kommenden Jahre schwierig.

2. Sie beschäftigen sich sehr stark mit dem Thema Heizen und Kühlen, wo sind die Potentiale der Solarwärme langfristig in Österreich und der Welt?

Die langfristigen Potenziale der Solarthermie liegen aus meiner Sicht im Wohngebäudebereich bei Gesamtlösungen – d.h. bei Hybridsystemen, die den gesamten Wärme- und Kühlbedarf zu 100% decken. Die Solarthermie darf, wenn sie langfristig bestehen will, kein „add-on“ zu einem konventionellen Heizsystem sein, das nur 10 oder 20% des Gesamtwärmebedarfs deckt.

Kurzfristige Lösungen können Hybridsysteme bestehend aus Solarthermie und Wärmepumpen oder Solarthermie und Gasbrennwerttechnik sein, wobei die Solarthermie mehr als 50% des Wärmebedarfs decken muss. Längerfristig müssen solarthermische Systeme in Kombination mit kompakten Speichern mit hohen Energiedichten 100% decken können.

Weitere große Potenziale sehe ich im Großanlagenbereich. Das sind Anlagen für industrielle Prozesswärme sowie bei der Einspeisung von Solarwärme in Nah- und Fernwärmesysteme.

3. Welche Rahmenbedingungen bräuchte die Solarwärme in Österreich oder der EU um einen Schub nach vorne zu bekommen.

Aus meiner Sicht müssten die derzeitigen innovationshemmenden Förderungen durch ertrags- und deckungsgradabhängige Förderinstrumente ersetzt werden. Weiters wären ordnungspolitische Maßnahmen wie zB. Verpflichtungen in einigen Bereichen wünschenswert.

4. Wenn Sie ein Haus bauen würden, welches Heizsystem würden Sie einbauen und welchen Ratschlag können Sie Menschen und Unternehmen geben, die vor einer Entscheidung im Wärmebereich stehen?

Derzeit würde ich einem solaren Heizsystem in Kombination mit einer Biomasseheizung den Vorzug geben.

Grundsätzlich ist es sinnvoll, den Heizwärmebedarf durch geeignete Dämmmaßnahmen auf ein möglichst geringes Maß zu reduzieren. Dieser geringe Bedarf sollte dann über erneuerbare Energien – vorzugsweise Solarthermie – gedeckt werden.

5. In welchen Unternehmen wäre der Einsatz von Solarwärmesystemen sinnvoll, was sollte man dabei beachten?

Unternehmen mit sehr großem Potenzial sehe ich in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie sowie bei der Metalloberflächenindustrie (Galvanik), da nahezu alle Prozesse dieser Unternehmen unter 100°C ablaufen. Um dieses Potenzial zu öffnen ist es allerdings erforderlich, das Wärmeversorgungsystem der Betriebe an solarthermische Anforderungen anzupassen.

6. Wie können städtische Wärmesysteme in ein erneuerbares Zeitalter gebracht werden?

Durch die intelligente Integration von Solarthermie in städtische Fernwärmesysteme. Diese Systeme müssen mittelfristig sowohl Wärme- wie auch Stromnetze kombinieren indem beispielsweise thermische Speicher für die Solarthermie aber auch für die Abwärme aus KWK Anlagen oder für kurzfristige Überschüsse aus PV oder Windstrom genutzt werden.

Die Senkung von Netztemperaturen sowie solare Wärmegestehungskosten in der Größenordnung von 20 – 30 Euro/MWh sind weitere Voraussetzungen für eine breite Anwendung.

7. Wenn Sie sich für die Energiezukunft Österreichs etwas wünschen dürften, was wäre das?

Eine mutige und zukunftsorientierte Energiepolitik, welche die Rahmenbedingungen für einen raschen Umbau unsers Energiesystems schafft.

Weitere Interviews aus der Serie “Solarwärme im Gespräch”

Solarwärme im Gespräch mit Unternehmer Robert Kanduth

Solarwärme im Gespräch mit GreenOneTec CEO Robert Kanduth

Der Serie Solarwärme im Gespräch geht weiter und heute sprechen wir mit Robert Kanduth, einem der erfolgreichsten Solarunternehmer Österreichs und CEO des Kärntner Kollektorerzeugers GreenOneTec.

Herr Kanduth, Sie bekommen die gleiche Frage wie auch Bernd Vogl im letzen Interview. Österreich ist und war ein führendes Land in Sachen Solarthermie. Trotzdem hat man das Gefühl, dass alle Welt nur mehr über Photovoltaik spricht, woran könnte das liegen?

“Das ist grundsätzlich richtig. Photovoltaik ist sexy weil man Strom erzeugt, aber ich versteh’s nicht ganz, weil beide Mal produziert man kWh. Außerdem braucht man in Österreich 85% Wärme aber nur 15% Strom. Die ganze Bevölkerung möchte die 15% haben und einspeisen. Ich versteh’s  wirklich nicht, weil Solarthermie ist noch immer wesentlicher effizienter als die Photovoltaik.”

Ihr Unternehmen ist führend im Bereich der Flachkollektoren und ist aber auch im Bereich Photovoltaik aktiv. Wie sehen Sie die Entwicklungen der beiden Technologien in den nächsten Jahren?

“Es ist so: Beide Technologien haben eine Daseinsberechtigung, aber das Photovoltaikgeschäft ist derzeit wahnsinnig schwierig, weil die Chinesen mit staatlicher Förderung die Module zu Dumpingpreisen in die ganze Welt liefern. Das ist das große Problem der Photovoltaik. Das passiert uns bei der thermischen Solarenergie noch nicht, ich sage aber bewusst, noch nicht.”

Warum tritt die WTO hier nicht stärker auf?

“Normalerweise wär das der richtige Weg, aber aus irgendeinem Grund traut sich niemand hier einzugreifen. Die ganze Welt und vor allem Europa fürchtet sich vor China wie die Maus vor der Schlange. Er herrscht furchbare Angst vor der Einführung von Zöllen auch wenn die chinesischen Hersteller nachweislich mit Dumpingpreisen in den Markt eintreten. Die letzten 5 Jahre wurden satte 50 Mrd. Dollar in die Photovoltaik investiert. Die chinesische Staatsbank finanziert weltweit Projekte, die mit chinesischen Modulen gebaut werden. Europas muss munter werden denn es sind nichtmal die niedrigen Lohnkosten, sondern die massiven Subventionen durch den chinesischen Staat. Wenn China auch im Solarthermiemarkt so massiv einsteigt, wird’s schwierig für Europa.”

Welche Rahmenbedingungen bräuchte die Solarwärme in Österreich oder der EU um einen Schub nach vorne zu bekommen?

“Grundsätzlich muss sich Europa das Ziel setzen, bis 2050 energieautark zu werden. Das heißt aber auch, dass es gesetzliche Rahmenbedingungen für diesen Weg braucht. Die Solarthermie ist mittlerweile die wirtschaftlichste Möglichkeit der erneuerbaren Energien. Es gibt nichts Effizienteres als die Solarthermie. Deshalb muss es bei jedem Neubau und bei jeder Sanierung verpflichtend vorgegeben werden. Dann müsste der Staat nicht mal einen Cent in die Hand nehmen.”

Also wäre die Solarthermie auch ohne Förderung wirtschaftlich?

Ja selbstverständlich wärs wirtschaftlich, aber die Leute wollen einfach Förderungen, weils sexy ist. Man kann sagen mit Förderung rechnet sich die Anlage in acht Jahren und ohne in zwölf Jahren. Man muss hier aber wirklich längerfristig denken. Es geht eben nicht so wie bei der Industrie, dass sich jede Anschaffung in 3-4 Jahren rechnet.

Nur ein Beispiel: Wir haben erst kürzlich jene Kollektoren prüfen lassen, die vor über 20 Jahren gebaut wurden. Zehn Kollektoren von zehn unterschiedlichen Typen wurden untersucht und nicht das geringste Problem konnte festgestellt werden. Wir gehen heute von einer Lebensdauer von 40 Jahren aus. Ich kann das heute tatsächlich behaupten. Ich bin seit über 20 Jahren im Geschäft und produziere Kollektoren und auch dieser Test hat wieder bewiesen, dass es möglich ist. In den Kollektoren ist einfach nichts drinnen was kaputt wird. Die Anlage hält etwas länger als ein Dach. Natürlich müssen einzelne Komponenten wie Pumpen getauscht werden und nach 10-20 Jahren wird wohl auch mal ein Boiler kaputt, aber das sind keine massiven Kostentreiber. Es muss sich durchsetzten, dass eine Solaranlage eine Investition fürs ganze Leben ist und ich dann aber auch ein Leben lang nichts mehr tun muss für die Energie.

6. Wie sehen Sie die Entwicklungen ihres Unternehmens in den nächsten Jahren?

Wir versuchen weiter zu wachsen, aber der Markt in Europa ist seit 2008 jedes Jahr rückläufig. Es ist wahnsinnig schwierig neue Kunden zu bekommen und wir versuchen nun einfache und günstige Systeme auf den Markt zu bringen die vielleicht etwas weniger Energie bringen als hocheffiziente Kollektoren, aber dafür nur den halben Preis kosten. So wird die große Hürde der Investitionssumme geringer. Die Idee ist, dass in Zukunft wirklich jeder Haushalt eine Solaranlage hat. Der Unterschied wird nur sein, dass eine Anlage eben 90 % des Warmwassers abdeckt und die andere eben nur 65-70%.

Wissen Sie warum bei all diesen guten Voraussetzungen der Markt in Europa seit 2008 rückläufig ist?

Tja, wenn ich das nur wüsste! Es gibt so viele Studien und Ideen darüber, aber ich muss echt sagen, ich weiß es nicht. Eine Idee wäre, dass die PV so stark gewachsen ist und die Solarthermie substituiert hat. Bei der PV bekommt der Kunde eben bares Geld auf die Hand und bei der Solarthermie sind es „nur“ die Einsparungen.

Was halten Sie von der Kombination Wärmepumpe und Photovoltaik?

Ja, ist auch ein Thema, aber trotzdem produziere ich die Energie mit Photovoltaik und Wärmepumpe noch immer teurer als mit der thermischen Solarenergie. Die thermische Anlage ist immer noch die günstigere Variane. Beim Vergleich einer grösseren Anlage (etwa 100 m²) wo beide Anlagen über 20 Jahre laufen, produziert man die kWh mit Photovoltaik um 9,5 ct und mit Solarthermie um 4ct. Also auch noch wesentlich günstiger als Windenergie und vermutlich auch als neu installierte Wasserkraft.

Warum tut sich dann nicht mehr?

Das einzige Problem ist, dass ich die Anlage heute bezahlen muss und die Investitionskosten für manche zu hoch sind.

Wenn Sie ein Haus bauen würden, welches Heizsystem würden Sie einbauen und welchen Ratschlag können Sie Menschen und Unternehmen geben, die vor einer Entscheidung im Wärmebereich stehen?

Hier kann ich die Initiative Sonnenhaus empfehlen. Ich würde jedem raten eine wirklich riesige thermische Solaranlage zu installieren. Es gibt Häuser, die decken über 100% des Wärmebedarfes mit thermischen Kollektoren und großen Pufferspeichern.

Also gar kein Zweitsystem mit Pellets oder Gas für die wirklich kalten und nebeligen Tage?

Nein, nur ein System und für Notfälle einfach eine strombetriebene Heizpatrone im Pufferspeicher. Stromanschluss werden die Häuser ja auch in Zukunft haben. Diese Notfälle passieren bei einer richtig dimensionierten Anlage dann vielleicht an drei Tagen im Jahr.

Wie heizen Sie bei Ihnen zu Hause?

Ja, natürlich genau so! Ich habe bei mir privat 230 m² Sonnenkollektoren im Hang und einen 20.000 Liter Pufferspeicher. Ich decke so 95-98% des Wärmebedarfes. Das Haus ist jetzt 5 Jahre alt und zugegebenermaßen relativ groß. Bei einem normalen Einfamilienhaus würden vermutlich 100 m² reichen um dasselbe abzudecken und in all den Jahren haben wir kein einziges Mal gefroren.

Wenn Sie sich für die Energiezukunft Österreichs etwas wünschen dürften, was wäre das?

Die Österreicher brauchen eine Strategie, bis wann sie energieautark sein wollen. Die Regierung hat sich bei Veröffentlichung der 34% Ziele mit Händen und Füßen gewehrt und wollte sich lediglich auf ein 28% Ziel einlassen. Ein Jahr später sind sie draufgekommen, dass Österreich laut EU-Berechnungsmethoden ohnehin schon 30% hatte, also wollten sie bis 2020 die Erneuerbaren eigentlich abbauen. Es fehlen hier einfach echte Ambitionen. Ich würde mir wünschen, dass das Lobbying der Dinosaurier in Österreich verschwindet und dass wirklich Leute am Werk sind, die wissen wo die Zukunft liegt. Österreich sollte bis zum Jahr 2020 mindestens 40% und bis 2030 60 % aus erneuerbaren Energien erzeugen.  Mein Wunsch wäre, dass sich die Minister nicht mehr von einem Dinosaurier wie Veit Sorger von der Industriellenvereinigung (IV) beeinflussen lassen. Die Industrie selbst ist schon viel schlauer und auch innerhalb der IV gab es die letzten 3-4 Jahre einen massiven Wandel. Nur die Spitze tut noch weh, aber diese Leute werden die nächsten Jahre verschwinden. Dann wird auch die wohl wichtigste Vereinigung des Landes für die erneuerbaren Energien da sein und es wird einen riesen Knall geben.

Dieses Interview wurde auch im Fachmagazin GEBÄUDEINSTALLATION (Sept. 2012) und auf oekonews.at veröffentlicht, der online Tageszeitung für Erneuerbare Energien http://www.oekonews.at/index.php?mdoc_id=1072762